13.08.2020

5. Todsünde im Golfunterricht – Kopfstillhalten verwerfen

Thomas Zacharias ©

Nach 100 Jahren Kopfstillhalten sind die Golflehrer dieser Welt Anfang des Jahrtausends plötzlich zu dem Schluss gekommen, dass dieses Vorgehen ein technischer Fehler ist und oben drein zu Beschwerden und Verletzungen im Bereich der Schultern und Halswirbel führt. So haben sie auch noch das Einzigrichtige an der traditionellen Golfschlag-Didaktik verplempert. Denn:

Das Stillhalten ist technisch notwendig und führt keineswegs zu Fehlbelastungen der Anatomie. Das Fehlerhafte und Schädliche ist allein das KRAMPFHAFTE.

Verhält man sich locker und führt die Schlagbewegung geschmeidig aus, so kann die Nase problemlos nach unten zeigen, bis sie von der rechten Schulter ins Finish mitgenommen wird. Dabei kommt es zu keinerlei unnatürlicher Haltung oder Verrenkung.

Eilt man mit Blick und Gesicht aber dem Schlag voraus und dem Finish entgegen, um nur ja nicht das Bild zu verpassen, wie der Ball im Teich versinkt, so vergrößert sich der Abstand der linken Schulter zum Ball, die Orientierung geht verloren und es entstehen Fehltreffer und Scheinkorrekturen. Das ist kein Mythos sondern knallharte, schmerzliche Alltags-Realität!

Das Freigeben der Kopfstille erlaubt es der rechten Schulter auch, sich nach vorn-links zu bewegen, so dass die Brust sich zum Ziel hin öffnet und der Schlägerkopf sich vom Körper entfernt: Fürchterliche Sockets drohen! Und damit unzählige erfolglose Korrekturversuche.

Es hängt aber technisch noch viel mehr am Stillhalten des Kopfes. Im Kopf sitzen ja das Zentrum unserer körperlichen Selbstwahrnehmung und der Gleichgewichtssinn. Und da es beim Golfschlag darum geht, den Körper still im Gleichgewicht und in einer bestimmten Position zu halten, ist es sinnvoll, beim Kopf damit anzufangen. Man nehme sich zum Vorbild die Balletttänzer, die bei ihren Pirouetten so lange wie möglich einen bestimmten Punkt in der Umgebung fixieren, während der Körper immer weiter dreht, bis sie den Kopf ganz schnell hinterherdrehen, um so bald wie möglich wieder jenen ausgewählten Punkt fixieren zu können.

Wie beim Golfschlag kommt auch hier ein biomechanischer Aspekt zur Geltung, der von der Fachwelt überhaupt noch nicht erkannt worden ist. Nämlich wie der Körper innere Drehkräfte generiert, indem er Körperteile gegeneinander bewegt, also in entgegengesetzte Richtungen. So wird die Schultergürtel-Drehung gerade dadurch kraftvoller, dass Kopf und Wirbelsäule stillgehalten werden, also eigentlich gegen die Schwungrichtung bewegt werden. Da wirken Kräfte, die den Körper innerlich verwringen und von denen niemand etwas merkt. Schon gar nicht bei all dem, was das Bewusstsein beim Golfen sonst noch zu verarbeiten und zu bewältigen hat.

 

Beim Ausholen darf der Kopf sich etwas nach rechts verschieben. Beim Durchschwung aber und bis ins Finish muss er an seinem Platz bleiben.

 

Was dem Bewegungsapparat schadet, sind voll angespannte Muskeln, welche die (in lockerem Zustand) durchaus vorhandene Beweglichkeit dermaßen einschränken, dass Wirbel, Bandscheiben und Stützgewebe (Bänder und Sehnen) überlastet werden und fast zwangsläufig Schaden nehmen.

Muskeln die immer wieder technisch falsch anspannt werden, verspannen und verhärten mit der Zeit. Und dadurch erst wird die Wirkung ihres Fehlverhaltens immer schädlicher. Es kommt zu scheinbar traumatischen, in Wirklichkeit aber chronisch bedingten Verletzungen.

Die Prävention darf nun nicht darin bestehen, dem Kopf technisch falsche Bewegungen zu erlauben oder gar falsche Anweisungen zu geben. Sie muss darin bestehen, langsame, mühelose, fließende Bewegungen zu lehren. Und zwar technisch richtige.

Dann aber (und nun kommt ’s) weiß der Schüler nicht mehr, wie er den Schlägerkopf wunschgemäß beschleunigen soll. Die tüchtige, schnelle Rumpf- und Schulterdrehung ist ja leider die einzige Kraftquelle die er kennt, solange er nichts vom „Richtigen Schlagen“ weiß, also vom richtigen Umgang der Hände mit dem Schläger. Hat er diesen (siehe Todsünde 7) aber erst einmal gelernt, so ist der Golfschlag kein krankmachender Ganzkörper-Kraftakt mehr, sondern ein gesundes, ja Gesundheit bringendes Spiel mit den natürlichen Teilkräften seines Bewegungsapparates.

10.08.2020

4. Todsünde im Golfunterricht –Taktik vor Technik

Thomas Zacharias ©

Golflehrer verstehen viel von Taktik und Platzstrategie. Diese zwei Aspekte des Golfspiels nützen aber nur den Spielern, die einigermaßen zuverlässig auch den Schlag machen, den sie sich vorgenommen haben. Dies können aber leider die 95% Hobbygolfer nicht von sich behaupten. Ihnen gelingt nur jeder dritte, oder vierte oder gar fünfte Schlag so wie erhofft. Und da ist es mit der Taktik und der Strategie meist schon nach dem ersten Abschlag Essig. Diese Armen Sportskameraden müssen lernen, mit ihren schlechten Schlägen zu rechnen und das entsprechende Risiko einzuplanen. Anstatt dessen rechnet jeder Amateur meistens damit, dass ihm der nächste Schlag gelingt, auch wenn noch so viele Erfahrungen dagegen sprechen.

Der fromme Wunsch jedenfalls, seine Schützlinge durch schlaue Ratschläge für das Spiel auf der Runde zu beglücken ist insofern eine Todsünde, als solche Anleitung direkt davon ablenkt, gute Schläge zu machen. Zumal wenn man gar nicht weiß, wie das geht.

Gutes Golfspiel entsteht automatisch, wenn man viele gute Schläge macht. Auch wenn man sich taktisch zuweilen falsch verhält. Ein guter Schlag kann nicht zu gut sein. Höchstens zu kurz oder zu lang, weil man den falschen Schläger gewählt hat.

Was den Score ruiniert und den Ärger fördert, sind die vielen schlechten Schläge, die man auf der Runde macht. Und darum, diese zu überwinden, geht es beim seriösen Golfunterricht:

Lerne richtig schlagen, und du kannst schon mal mindestens passabel golfen, wirst also ein sicherer Bogeygolfer. Aber wie soll das gehen, wenn dir der Golfschlag völlig falsch beigebracht worden ist? Wenn dadurch gute Schläge völlig unmöglich gemacht worden sind?! Schauen wir uns also die Todsünden an, mit denen vernünftiges Golfen zum Scheitern gebracht wird.


Manch durchaus angesehener Golflehrer behauptet im Ernst, dass der gute Golfschlag ausschließlich davon abhängt, dass das Set-Up stimmt, also Griff und Aufstellung/Ausrichtung. Sie schließen von sich auf alle anderen, weil sie unbewusst alles andere richtig machen, und weil sie nicht dieses Mindestmaß an Fantasie haben sich vorzustellen, dass es Menschen gibt, die weit mehr Anleitung brauchen, bis sie zum ersten Mal einen Golfball sauber treffen.

Das Set-Up ist natürlich grundlegend. Ist es falsch, geht vieles andere auch daneben. Aber man kann auch mit mangelhaftem Set-Up gut Golf spielen, wenn man nur die wirklich entscheidenden Bewegungen richtig macht und die wirklich falschen Bewegungen weglässt. Darum geht es bei den weiteren Todsünden.

03.08.2020

3. Todsünde: Die Rolle des Talents Kleinreden

Thomas Zacharias ©

Talent ist das Entwicklungs-Potential das wir von Geburt an, also genetisch bedingt, mitbringen. Das Entscheidende am Talent sind seine Grenzen. Und Grenze ist die Linie, die man nicht überschreiten kann, so sehr man es auch will, wie sehr man sich auch anstrengt.

Es geht beim Üben, Lernen und Trainieren also nicht darum, seine Grenzen zu erweitern oder zu überschreiten, sondern innerhalb der eigenen, unveränderbaren, unüberwindbaren Grenzen die angeborenen Möglichkeiten zu fordern, zu fördern und zu erschließen, zur vollen Blüte zu bringen – sozusagen.

Das Motto, „Du kannst alles erreichen – Du musst es nur wollen“ führt den Menschen also vollkommen in die Irre. Spätestens wenn er seine angeborenen Grenzen erreicht hat. So fängt jeder Mensch das Golfen mit der Hoffnung an, sehr bald ein zumindest passabler Spieler zu werden. Und dann stellen die meisten Menschen fest, dass diese Hoffnung sich nicht erfüllen will. Dies ist aber noch lange kein Grund zur Verzweiflung, denn es kann ja durchaus sein, dass da ein Knoten ist, der zum Platzen gebracht werden muss, damit alles doch noch gut wird. Und diese Hoffnung möchte ich unterstützen. Das bedeutet natürlich, dass bis dato etwas schief gelaufen ist, dass eben bisher nicht vermittelt wurde, was es zu erlernen gilt.

Also: Das Talent hängt nicht vom Willen ab. Im Gegenteil: Es ist genau umgekehrt. Talent drängt sich auf, setzt sich durch, will sich entfalten. Wenn das nicht klappt, dann liegt ‘s daran, dass es von außen fehlgeleitet wird. Und das ist das Schicksal aller Opfer normalen Golfunterrichts. Es sei denn – natürlich - man hat gar kein Talent.

31.07.2020

2. Todsünde – Überschätzung der Schwierigkeit

Thomas Zacharias ©
 
Der Golfschlag ist motorisch nicht komplizierter als irgendeine andere sportliche Bewegung. Der einzige Unterschied ist die erforderliche Präzision und damit verbunden die große Wahrscheinlichkeit von misslungenen Versuchen, also Fehlschlägen. Es gelingt aber erstaunlich vielen Laien mit äußerster Präzision und entsprechender Zuverlässigkeit serienweise Fehlschläge zu produzieren, die wegen eines ganz bestimmten, immer gleichen Fehlers schlecht sind. Also ist Präzision hier nicht das Problem. Es ist die falsche Vorstellung von dem was biomechanisch erforderlich ist, um gute Schläge zu machen. 

Man sucht die Fehler nicht da wo sie stecken, weil man Richtig und Falsch gar nicht zu unterscheiden weiß. Golflehrer sind nicht in der Lage zu erklären, was man tun muss, um gute Schläge zu machen. Wenn es im Unterricht nicht klappen will, dann meinen sie, der Schüler mache nicht was sie ihm sagen. Und der Schüler nimmt die Schuld auf sich, weil er nicht daran zweifelt, dass ihm das Richtige gesagt wird. Er schämt sich noch für seine Ungeschicklichkeit. Dabei ist das was er machen soll technisch falsch oder sogar biomechanisch unmöglich. 

Richtig angeleitet könnten unermesslich viele schlechte, unzufriedene Golfer gute und glückliche werden. Anstatt dessen trösten sie sich mit der Behauptung, der Golfschlag sei schließlich die schwierigste sportliche Bewegung die es gibt. 

Dabei haben sie andere Sportarten selbst nie ausprobiert. Dann wüssten sie nämlich, dass sie auch nicht schwungvoll am Reck in den Stütz gelangen oder am Barren eine Kippe, am Boden einen Salto oder an den Ringen einen Kreuzhang machen könnten. Auch nicht bei fehlerfreier Anleitung.

Ich habe im meinem Leben ungefähr gleichviele Hochsprünge wie Golfschläge gemacht – mehrere hundert tausend Stück. Und beim Hochsprung finde ich doppelt so viele Fehler, die mir unterlaufen als beim Golfschlag. Nämlich 12 anstatt 6. Wenn ich alles richtig mache, schlage ich 220m weit und springe 220cm hoch (im besten Alter...). Jeder Fehler allein kostet 5. Meistens führt ein Fehler aber zum nächsten. Und dann klappt bald gar nichts mehr, und man muss von vorne anfangen, das erworbene und wieder verlorene Können abermals ganz von unten aufbauen. 

Wenn ich mich damit trösten würde, dass Golfschlag und Hochsprung ja ach so schwierig sind, und es kein Wunder ist, dass ich sie nicht beherrschen lerne, dann wäre ich sicher kein Hochsprungweltrekordler geworden und wäre als Golfer längst endgültig gescheitert. In meinem damals Gottlob noch sehr praxisorientierten Sportstudium habe ich über ein Dutzend Sportarten intensiv (mindestens 2 Jahre lang) erlernen dürfen und dazu über 50 sport-technische Fertigkeiten erworben. Das meiste davon war schwieriger als der Golfschlag. Ich hatte am Mainzer Sportinstitut aber auch fantastische Lehrer, Meister ihres Fachs nicht nur in ihrer Praxis sondern mehr noch in der Theorie, also in Biomechanik, Motorik und Didaktik. Dieses Privileg ist natürlich nicht mein Verdienst. Da kann ich nur auf ewig danken.

27.07.2020

1. Todsünde im Golfunterricht – Selbstüberschätzung

Thomas Zacharias ©
 
Der Golflehrer bildet sich ein, er wüsste wie der Golfschlag funktioniert. Eigentlich weiß er aber nur, was er denken und tun muss, damit sein Golfschlag funktioniert. Und dabei geht es ihm vornehmlich um die Steuerung des Ballfluges. Die hat aber mit der grundlegenden Schlagtechnik nur insofern zu tun, als die richtige Schlagtechnik die Voraussetzung für die richtige Ballsteuerung ist.

Dem Golflehrer ist diese Technik in die Wiege gelegt. Er führt sie von Anfang an richtig aus, ohne dass sie ihm von jemandem beigebracht worden wäre. Und genau deshalb kann er sie auch niemandem beibringen, der es nötig hat – also 95% seiner Schüler. Diesen wurde nämlich leider genau der falsche Umgang mit dem Schläger in die Wiege gelegt. Mit einem Schläger in den Händen machen sie automatisch genau das Gegenteil von dem was physikalisch richtig wäre. Und nur wenn sie dies erkennen und dann lernen, wie man es richtig macht, können sie zufriedene Golfer werden. 

Ohne dieses besondere Talent, einen Schläger intuitiv richtig zu handhaben, kann kein Mensch die Spielstärke erreichen, die man für die Zulassung zur Golflehrer-Ausbildung vorweisen muss. Aber leider führt dieses Können weder zum Wissen über die Mechanik des Golfschlages noch zu tieferem Verständnis der motorischen Probleme mittel- und minderbegabter Golfschüler. 

Ein normaler Golflehrer hat nicht einmal die Alltagsmechanik vollständig verstanden, noch weniger die Biomechanik, also funktionale Anatomie und „Neuro-Psycho-Sensomotorik“ studiert. Und vor diesem Hintergrund nützt ihm sein gutes Rüstzeug in Sachen Sport-Didaktik und –Methodik nur wenig. Er lehrt zwar vielleicht richtig. Aber leider das Falsche. Und so ist der Golfunterricht weltweit einfach eine sportdidaktische Katastrophe. 


Der Ruf der Golflehrer ist oft schlechter als sie es verdienen, aber ihre Kundschaft ist mehr damit beschäftigt, ihre Frustration zu bewältigen und sich auf dem Platz in gekünsteltem Gleichmut zu üben, als sich am eigenen „schönen Spiel!“ zu erfreuen. 

Dabei begeht der Laie dieselbe Sünde der Selbstüberschätzung wie sein Lehrer. Was dieser ihm erzählte, hat er für bare Münze genommen. Und so glaubt er nun fest daran, zu wissen „wie es geht“, und dass er nur noch tüchtig üben muss, um es auch zu können. 

Da die Belehrungen aber weitgehend falsch oder nutzlos sind, übt er zwar tüchtig aber leider das Falsche. Und wenn durch Zufall mal ein Schlag ganz leidlich gelingt, dann fühlt er sich auf seinem Weg und in seinen Gedanken bestätigt und irrt nur noch umso schlimmer in der Sackgasse der Selbstüberschätzung umher.

26.07.2020

Richtig Schlagen 2.0 - Die 11 Todsünden im normalen Golfunttericht und wie man ihnen entkommt

Thomas Zacharias

1. Todsünde - Selbstüberschätzung
2. Todsünde - Überschätzung der Schwierigkeit
3. Todsünde - Die Rolle des Talents Kleinreden
4. Todsünde - Taktik vor Technik
5. Todsünde - Kopfstillhalten Verwerfen
6. Todsünde - Gewichtsverlagerung
7. Todsünde - Falsche Handarbeit
8. Todsünde - Linke Schulter und rechter Oberarm passiv
9. Todsünde - Schulterdrehung Forcieren
10. Todsünde - Informationen Zurückhalten
11. Todsünde - Falsche Schläger-Maße


Ab 27. Juli werde ich in loser Folge die 11 Todsünden des normalen Golfunterrichts hier posten. 

31.01.2018

Instinkt und Einsicht beim Golfspielen

Thomas Zacharias ©

Eine Golflehre, deren Aussagen einem normalen Abiturienten nicht paradox erscheinen, ist mit Sicherheit falsch. Gerade weil man beim Golfschlag alles andersherum machen muss, als es der falsch informierte Verstand und der falsch programmierte Instinkt des unbegabten Sportlers vorgeben zu müssen glauben, ist es ja für Hobbyspieler so schwer, eine Technik zu entwickeln und zu erlernen, mit der anständige Schläge entstehen. Dazu kommen jede Menge Gerüchte darüber, was alles richtig und wichtig sei, so dass man sagen muss: Gutes Golf scheitert vor allem an einer Vielzahl falscher Informationen und Vorstellungen, die den irrenden Instinkt in seiner Irrfahrt mental bestätigen.

Der Instinkt will mit der rechten Hand zuschlagen und den Schlägerkopf dabei gezielt zum Ball führen. Und beides führt direkt und unausweichlich in den Misserfolg. Ebenso die instinktive Schufterei mit Beinen und Rumpf, wo viele unnötige, sinnlose, ja destruktive Kräfte generiert werden, und jede Menge weiterer technischer Fehler entstehen.

Eine Chance, den Golfschlag richtig zu erwerben, besteht daher nur, wenn man genau das Gegenteil von dem anstrebt, was man instinktiv machen würde. Man muss das Händegelenk richtig beugen und dann beim Durchschwung der Arme niemals strecken. Man darf sogar eine spontane Streckung, wie sie durch die Bewegung der Arme und durch den Schwung des Schlägers entsteht, auf gar keinen Fall erlauben. Im Gegenteil muss man dem Schlägerschwung (irrtümlich landläufig als Fliehkraft bezeichnet) entgegenwirken und ihn mit den Muskeln der Unterarme verhindern, also den Schlägerschwung zurückhalten, den Winkel im Händegelenk gerade dann stabilisieren, wo der Instinkt und die inneren Kräfte auf eine Streckung des Händegelenks drängen.


 
Die Muskeln an der Unterseite des Oberarms strecken das Handgelenk
und sorgen für den Fehler, zu früh kraftvoll zuzuschlagen. Die Muskeln an der
Oberseite halten diese Streckbewegung zurück und vermeiden "Falsches Schlagen".




Um das zu verstehen, muss man tiefer in die Gesetze der Mechanik einsteigen, als einem selbst geheuer ist. Man muss verstehen, dass der Abschwung der Arme sich unweigerlich auf die Bewegung des Schlägers überträgt. Und zwar unverzüglich, schon im Umschwung oder kurz danach, also viel zu früh, um dann noch richtig den Ball zu treffen.

Zudem ist die Streckkraft des Händegelenks aufgrund anatomischer Fakten am größten, wenn die rechte Hand noch um ca. 30° nach hinten gebeugt ist. Wenn man also das rechte Handgelenk streckt, bevor man den Ball trifft, ist die Schlagkraft schon verpufft. Und noch schwerer wiegt die Tatsache, dass diese Streckbewegung des Händegelenks als physikalisch gesetzmäßige Folge ein unmerkliches aber massives Abbremsen des Durchschwungs der Arme verursacht, also eine Verlangsamung der Hände vor dem Treffen des Balles.

Also: Selbst wenn die volle Streckung des Händegelenks eine Steigerung der Schlägerkopfgeschwindigkeit zur Folge hätte, würde dieser Zugewinn gleichzeitig wegen der Verlangsamung des Durchschwungs der Hände zu einem Verlust dieser Geschwindigkeit, also der Schlagkraft führen. Es würde für Hände, Schultern und Arme also eine sinnlose, ja schädliche Steigerung der Anstrengung bedeuten. Und wenn man das nicht durchschaut und immer weiter die ungenügende Schlagkraft durch Anstrengung zu erhöhen versucht, gerät man in einen Teufelskreis: Die Schläge werden immer schlechter und kürzer und die Anstrengung immer größer. Und der Ausweg aus dieser Sackgasse besteht ausschließlich darin, zu lernen was hier oben beschrieben steht: Mit gebeugtem Händegelenk durchschwingen und den Ball treffen, und dabei den Durchschwung der Arme und Hände in Richtung Ziel intensivieren.

Ein Golfgesetz lautet: Man schlägt umso weiter, je weniger der Armschwung über dem Ball an Tempo verliert. Und das hängt in erster Linie davon ab, dass das Händegelenk grundsätzlich und durch den Schwung hindurch gebeugt gehalten wird.

Eine schlimme Falle lauert beim Einnehmen des Winkels im Händegelenk: Der naive Instinkt sorgt dafür, dass die Unterarme die Hände so verdrehen, dass das Schlägerblatt sich öffnet, also aufdreht. Im Abschwung bleibt es dann leider geöffnet, weil kein Instinkt da ist, der dafür sorgte, dass es sich wieder schließt. Und schon wird der Ball mit dem Schaft (Socket) getroffen und schießt im rechten Winkel zur Ziellinie ins Unkraut. Dieser Katastrophe beugt man vor, indem man beim Setzen des Händewinkels das linke Handgelenk palmar, also zur Handfläche hin beugt, nicht dorsal, also zum Handrücken hin.

Durch das Halten des Winkels im Händegelenk entsteht auch eine andere Form von Finish. Man wickelt nicht mehr den rechten Arm um den Hals, um den Schläger bis zum Ende um den Körper herum schleudern zu lassen, sondern man bricht den Schwung ab, sobald der Schläger oder der rechte Arm die Waagerechte erreicht haben, und zieht dabei die beiden Ellbogen zur Brust heran. Am Ende der Bewegung steht der Schläger annähernd senkrecht vor einem und im Blick parallel zur (imaginären) Zielfahnenstange. Diese Form von Finish anzustreben, hilft einem auch wieder dabei, den Händewinkel im Durchschwung zu halten anstatt ihn loszulassen oder gar absichtlich zu strecken.

Schlimmer noch als falsche Instinkte sind falsche Anleitungen. Vor allem die, mit dem Gewicht hin und her zu wandern und tüchtig den Schultergürtel zu drehen. Wer solchen Behauptungen glaubt und folgt, verdirbt sich jede Chance auf einen zufriedenstellenden Golfschlag. Richtig ist, das Gewicht möglichst still zu halten, weder auf und ab noch hin und her zu wanken und den Schultergürtel überhaupt nicht mit Absicht zu drehen. Beim Ausholen mit dem linken Arm dreht sich der Schultergürtel automatisch nach rechts hinten. Und beim Abschwingen muss man dafür sorgen, dass die rechte Schulter nicht aktiv zum Ball dreht, sondern viel mehr hinter der Bewegung der Arme zurückbleibt, bis der Ball getroffen wurde. Eine „drängelnde rechte Schulter“ ist reines Gift und führt zu Kraftverlust, Richtungsverlust (Pull), Fehltreffern (Sockets). Der linke Arm kann nicht in Richtung Ziel gezogen werden, die Hände können nicht ungebremst über dem Ball durchschwingen, wenn der Rumpf, also vor allem der Schultergürtel, aktiv zum Ziel gedreht werden.

Diese Kräfte haben zur Folge, dass der linke Arm in der Ausholhaltung vor der Brust liegen bleibt und nicht zurück in die Ansprechhaltung und die entsprechende Impact-Haltung finden kann. Sein Schwung wird durch eine starke Rumpf-Rotation gebremst anstatt beschleunigt.

Man muss verstehen, dass die finale Schlägerkopfgeschwindigkeit nicht davon abhängt, wie schnell man Schultern und Arme dreht, sondern wie schnell der Winkel im Händegelenk zwischen 60 und 30° verkleinert wird, und wie wenig die falsche Aktion der Handgelenke (Unterarmmuskeln) zur Verlangsamung des Armschwungs beiträgt.
Es hat also auch keinen Sinn, den Schwung besonders schnell auszuführen und weit über den Treffmoment hinaus zu forcieren. Sinnvoller ist es, den Schwung des Schlägers und der Arme schon kurz vor der Waagerechten abzubremsen und nicht jeden Eisenschlag so auszuführen, als ginge es um einen Monsterdrive mit spektakulärem, überdrehtem Finish. Die Profis von heute zeigen uns doch, dass man mit ¾-Schwung jedes Par3 vom Tee aus einlochen kann.

Das Tragische für den minderbegabten Hobbygolfer ist, dass er all das verstanden, erlebt, erlernt und bis zur Übersättigung geübt haben kann, und sein Spiel trotzdem nicht besser wird. Das liegt daran, dass man die Instinkte nicht ausmerzen kann, weil sie angeboren sind. Man ist dazu verdammt, ein Leben lang damit beschäftigte zu sein, diese Instinkte und die dazugehörigen Gedanken mit bewussten Absichten zu bekämpfen, ja niederzukämpfen. Und deshalb wird nie das Ziel erreicht, dass man spontan und ohne zu denken zuverlässig gute Schläge macht, um sich endlich dem eigentlichen Golfspiel zuwenden zu können. Für 97% aller Golfer dieser Welt ist eine Golfrunde mithin selten mehr als der Versuch, möglichst viele technisch richtige Schläge zu machen und zu hoffen, dass der Ball schön lange und gerade auf der Ziellinie bleibt. Es kommt vor, dass dies über mehrere Spielbahnen hinweg gelingt. Dann kommt der verteufelte Gedanke auf: „Jetzt kann ich’s!“ Und schon ist der schöne Traum vorbei, und die schmerzlichen Fehlschläge häufen sich wieder, bis der übliche Durchschnitt der Mittelmäßigkeit wieder erreicht ist und sich erbarmungslos auf der Scorekarte niederschlägt.

Und so sind wir Minderbegabten gefangen in einer endlosen Achterbahnfahrt zwischen Hoffnung, Hochgefühl, Genugtuung und niederschmetternden Enttäuschung, katastrophalen Misserfolgen, Ärger, Frustration und Depression.

Wer mehr Begabung für die Ausführung sportlicher Techniken mitbringt, der kann sein Augenmerk auf feinere technische Details richten. Bei jeder Technik geht es ja darum, mit der vorhandenen Kraft die bestmögliche Endleistung zu erbringen. Für höhere Ansprüche reicht also nicht mehr die bloße Grobform.
Damit das Halten des Winkels im Händegelenk gelingt, muss man wahrnehmen, wie der Schläger oben im Umschwung weiter ausholt, während die Arme schon abschwingen. Man muss das nicht unterbinden sondern richtig managen, also nutzen. Das spontane Zurückbleiben des Schlägers hilft uns ja nicht nur dabei, den Winkel im Abschwung zu halten, sondern ihn im richtigen Moment, am richtigen Ort kraftvoll von 90 über 60 nach 30 Grad zu öffnen und dadurch in der richtigen Stellung Druck auf den Schaft und damit auf Schlägerkopf und Ball auszuüben. Und das ist mehr als ein bloßes Schwingen. Es ist Schlagen – aber richtig. Wir erlauben also, dass der Schläger weiter zurück schwingt und zusätzliche Spannung in Unterarmen und Handgelenken erzeugt – wohltuender, sinnvoller Stress, der den ganzen Schlag dynamischer macht und dafür sorgt, dass der Ball wirklich erst getroffen wird, wenn die Hände über den Ball hinweg geschwungen sind. Und all dies wohlgemerkt während die rechte Hand mittels der obenliegenden Unterarmmuskeln das Vorschnellen des Schlägers dezidiert zurückhält.
Gute Golfer machen das alle spontan gleich und merken nichts davon, und so wissen sie nichts von den Sorgen der Hobbyisten, und können ihnen auch nichts Hilfreiches beibringen. Sie können uns zeigen, wie man Bach oder Chopin spielt, aber wir können ja nicht einmal das Hänschen-Klein klimpern.

Einem hochbegabten Sportler können Techniken gar nicht kompliziert genug sein. Man bestaune die Geräteturner und die Eiskunstläufer. Aber wenn die Technik nur Mittel zum Zweck ist, nämlich einem Golfball eine bestimmte Flugbahn aufzuzwingen, nicht den lieben Mitmenschen die imposante Eleganz der eigenen Schlagbewegung vorzuführen, dann sollte man in jedem Fall eine Technik wählen, die möglichst einfach auszuführen ist und keine Elemente enthält, die einen motorisch und mental an die die eigenen Grenzen führen oder gar überfordern. Man darf aber auch nicht glauben, dass es einfacher geht, als die Gesetze der Physik und Mechanik es erfordern. Es hilft natürlich, diese zu kennen und zu verstehen, um mit Überzeugung und Entschlossenheit ans Werk zu gehen und sich die Fehler die einem dabei unterlaufen zu erkennen und zu korrigieren. Man sollte sich daher dieses Studium nicht ersparen wollen, nur aus Angst sich zu verzetteln. Das gehört mit zu der großen Herausforderung, richtig Golfen zu lernen.