10.01.2012

Die 16 Mythen der Golfschwungtheorie - Die 16 Säulen des klassischen Golfunterrichts

Thomas Zacharias ©

Was den zahlenden Golfschülern von ihren Golflehrern erzählt wird, ist nichts anderes als eine Reihe irreführender Märchen. Und alle glauben tatsächlich daran.


Mythos 1 - Beinarbeit

„Für gute, vor allem lange Schläge ist eine ausgefeilte Beinarbeit unerlässlich.“ Falsch!
 
Man sieht bei den Profis so viele verschiedene Arten, die Beine zu bewegen, dass man nicht eine davon für allein richtig erklären kann. Es gibt Profis die ihre Beine sehr wenig bewegen und andere, die ausgeprägte Bewegungen zeigen. Manche heben den Rumpf beim Ausholen und senken ihn beim Durchschwingen wieder. Andere heben beim Aufschwung, senken beim Abschwung und heben im Durchschwung wieder. Die meisten halten den Rumpf durchweg auf gleicher Höhe. Und alle richten sich erst im Finish endgültig auf, wenn also der Schlag längst stattgefunden hat.
Die Beine jedes Golfers sind durchweg hoch aktiv, auch wenn man es nicht bei jedem sieht. Kräfte wirken auch, wenn keine Bewegung sichtbar wird. Amateure bewegen ihre Beine nur wenig, und trotzdem sind diese mit voller Kraft bei der Sache. Sonst würde der Körper nämlich beim Schlagen in sich zusammenbrechen oder aus dem Gleichgewicht kippen.
Also Beinarbeit ist wichtig. Aber kein Mensch kann einen Golfschwung ausführen, ohne intensiv mit den Beinen zu arbeiten. Dazu braucht man diese nicht aufzufordern. Sie tun das spontan und in dem Maße richtig, in welchem Arme und Hände sich richtig verhalten. Wenn diese sich falsch verhalten, dann werden die Beine das ebenso unterstützen. Und das ist dann ebenso falsch.

Mythos 2 - Becken-Twist

„Für gute, vor allem lange Schläge ist eine ausgefeilte Beckendrehung unerlässlich.“ Falsch!
 
Die Drehung des Beckens, noch vor Beginn des Abschwungs oder zumindest während desselben, erfolgt immer spontan, je nach Veranlagung. Der eine Profi dreht wenig, der andere viel. Wer wenig dreht, der dreht natürlich langsamer als der der viel Drehung erzeugt, also noch vor dem Treffen des Balles die berühmte Gürtelschnalle zum Ziel gedreht hat.
Weil für die Drehung nur eine geringe Zeitspanne zur Verfügung steht, ist die Drehung logischerweise umso schneller, je größer sie ist. Dieses Drehtempo ist aber in keiner Weise entscheidend oder gar unverzichtbar für gute, weite Schläge. Ben Hogan, Longhitter Jamie Sadlowski und Luke Donald, zum Beispiel, zeigen weit weniger Beckentwist als Rory McIlroy. Ihre Gürtelschnalle zeigt kurz vor dem Treffmoment noch auf den Ball. Grad wie bei den meisten Amateuren. Warum also daran herumbasteln?!

Mythos 3 - Becken-Shift

„Für gute, vor allem lange Schläge ist eine ausgeprägte Verschiebung des Beckens in Zielrichtung unerlässlich.“ Falsch!
 
Manche Profis sind in den Lenden so elastisch und frei beweglich, dass man beim Zuschauen Angst bekommt, sie könnten in der Mitte durchbrechen. Andere sind, wie die Mehrzahl der normalen Menschen, in den Lenden eher steif. Können diese deshalb keine guten, langen Golfschläge machen? Doch. Können sie. Und warum? Weil eine ausgeprägte Verschiebung des Beckens eben nicht erforderlich ist, um gute, lange Golfschläge zu machen.
Das berühmte „aus dem Weg nehmen“ der Hüften, also diese Mischung aus Twist und Shift, hat überhaupt keinen technischen Wert. Denn es gibt keinen Weg, aus welchem ein Golfer die eine oder andere seiner Hüften nehmen müsste.
Der Shift den man sieht ist kein dynamisches Element. Man schlägt damit nicht weiter als ohne. Es ist nur eine spontane Ausgleichsbewegung für das nach rechts (vom Ziel weg) Kippen des Rumpfes, also seiner Längsachse, seiner Wirbelsäule. Und dieses Kippen ist allerdings technisch erforderlich.
Und deshalb gehört es nicht zu den Mythen. Siehe also weiter unten.

Mythos 4 - Gewichtsverlagerung

„Für gute, vor allem lange Schläge ist eine ausgeprägte Verschiebung des Gewichts, also der Körpermasse in Zielrichtung unerlässlich.“ Falsch!
 
Kein Golfprofi verschiebt seine Körpermasse während des Schlages. Alle bemühen sich, ihren Körperschwerpunkt mittig zwischen den Füßen im Gleichgewicht zu halten. Dazu sind all ihre sichtbaren Bewegungen da.
Erst nach dem Treffmoment zeigen viele Könner heute eine Verlagerung ihrer Körpermasse auf das linke (zielnahe) Bein. Aber das hat keinen Einfluss auf die Schlagleistung. Es ist nur eine Schonhaltung für ihre Lendenwirbelsäule.
Junge Biomechanik-Professoren, die zu viele Messinstrumente haben und zu viel Elektronik bemühen, sind von ihren Messdaten und graphischen Darstellung (Diagrammen) so begeistert, dass sie die Kausalzusammenhänge willkürlich interpretieren und immer wieder das finden, was sie vorher schon gehofft haben. Sie bestätigen immer nur die Mythen, haben noch keinen der hier aufgeführten widerlegt. Sie schwätzen nur die alten Meisterlehren nach.
Die Druckkurven, zum Beispiel, die bei Lastmessungen unter den Füßen der Golfer entstehen, zeigen keinesfalls, dass der Schwerpunkt der Könnerhin und her bewegt wird. Im Gegenteil: Sie zeigen auf, dass die Beine damit beschäftigt sind, solche Verschiebungen durch Gegendruck zu vermeiden. Dieses Verhalten erzeugt die Kurven. Sie werden nur falsch interpretiert. Und dann beglückt man damit die armen Amateure, die sich nun bemühen, ihren Rumpf tüchtig vom Ziel weg und zum Ziel hin zu bewegen, und damit das Gleichgewicht und die Orientierung an der Balllage verlieren und ihre Schlagdynamik dezimieren.
Gute Golfer zeichnet ein sichtbar stabiles Gleichgewicht aus, welches auch in der Harmonie ihrer Bewegung zu erkennen ist.

Mythos 5 - Schulterdrehung

„Für gute, vor allem lange Schläge ist eine ausgeprägte Drehung des Schultergürtels in Zielrichtung unerlässlich.“ Falsch!
 
Die meisten Menschen können ihre Schultern nur um höchstens 45° zum Becken verdrehen. Und das Becken nur um höchstens 45° zu den feststehenden Füßen.
Damit erreicht der linke (ausgestreckte) Arm also gerade mal höchstens die Waagerechte, was man gemeinhin als halben Aufschwung bezeichnet. Wie also gelangen die Hände über Kopfhöhe? 
Antwort: Indem der linke Arm vor den Hals gehoben wird. Der Winkel zwischen Schultergürtel und linkem Arm wird von 70° nach 20° also um 50° verkürzt, also zugespitzt. Dazu muss der rechte Ellbogen gebeugt werden.
Wenn man nur die Absicht hat, den linken Arm golftechnisch aufzuschwingen, dann drehen Schultergürtel und Becken ganz automatisch mit. Man braucht das nicht bewusst zu befehligen.
Das Ausholen des linken Armes geschieht dann jedenfalls nur zu einem Viertel durch Schulterdrehung, zu einem Viertel durch Beckendrehung und zur Hälfte aus dem Schließen des Schulter-Arm-Winkels. Schon mal drüber nachgedacht? Von einem Pro drauf angesprochen worden?
Beim Abschwung, also beim Zuschlagen, kommt es dann nicht darauf an, die Drehung von Becken und Schultergürtel zu steuern und zu forcieren. Das geschieht nämlich durchweg spontan, leider meist sogar übermäßig.
Es kommt darauf an, den Schulter-Arm-Winkel von 20 wieder auf 70° zu bringen, sonst können die Hände niemals richtig über dem Ball ankommen. Und ein kraftvoller Schlag kann auch nicht entstehen, wenn die linke Schultermuskulatur passiv ist. Dies ist aber bei der Mehrzahl der Amateure zu beobachten. An die Stelle der Schulter-Arm-Arbeit tritt daher eine übertriebene Rumpfdrehung, durch welche die Brust noch vor dem Impakt nicht mehr zum Ball zeigt, die linke Schulter nach hinten gezogen und die rechte nach vorne geschoben wird. Und das führt unweigerlich zu einem Durchschwung von außen nach innen; neben der offenen Schlagfläche der wichtigste Slice-Faktor.
Man muss also feststellen, dass die Arbeit in der Schulter des führenden Armes (beim Rechtshänder links) viel wichtiger ist als die Drehung des Schultergürtels. Ja man kann ausschließlich aus dem Schulterwinkel gute, lange Bälle schlagen, ohne den Schultergürtel und das Becken dazu um mehr als je 20° auf- und zuzudrehen. Der als bester Ballstriker aller Zeiten verehrte Moe Norman schlug nur aus halbem Aufschwung, also aus genau den hier angeführten Winkeln. Warum sollen Amateure diese einfache Bewegung nicht lernen dürfen?!

Mythos 6 - Länge des Ausholweges

„Für gute, vor allem lange Schläge ist weites Ausholen unerlässlich.“ Falsch!
 
Viele Amateure denken oder glauben: „Je weiter ich aushole, desto weiter schlage ich den Ball.“ Wahr ist, dass es darum geht, die Länge des Ausholweges den anatomischen und motorischen Voraussetzungen des einzelnen Spielers anzupassen. Zu weites Ausholen bringt jeden Spieler aus dem Gleichgewicht und verleitet ihn zum Aufrichten des Rumpfes. Dadurch verliert er die Orientierung am Ball und verfehlt diesen höchstwahrscheinlich. Zudem wird die Koordination von Armpendel und Handgelenkswinkel immer schwieriger.

Mythos 7 - Passive Hände

„Für gute, vor allem lange Schläge ist es unerlässlich, die Hände sich selbst zu überlassen und auf keinen Fall den Weg und die Stellung des  Schlägerblattes zu manipulieren Falsch!
 
Alle Könner manipulieren den Weg und die Stellung des Schlägerblattes. Allerdings tun sie es unbewusst, weil die Bewegung so schnell ist, so kurz dauert, dass man es selbst von innen her nicht richtig beobachten kann. Hochgeschwindigkeits-Videos aber bringen es an den Tag:
Profihände sind hoch aktiv und hoch sensibel und hochgradig geschickt. Was sie beim Schlagen unbewusst machen, das müssen die Hände der Amateure erst einmal erlernen, wenn sie gute, lange Schläge machen wollen.

Mythos 8 - Unterarmrotation

,,Für gute, vor allem lange Schläge ist ein ausgeprägtes Auf- und Zudrehen der Schlagfläche aus den Unterarmen heraus unerlässlich.“ Falsch!

Viele Könner drehen aus den Unterarmen die Handgelenke beim Ausholen auf und beim Zuschlagen wieder zu. Diese Manipulation erfordert aber dermaßen viel Geschick, dass der Amateur sie besser weglässt. Es geht nämlich auch ohne. Am einfachsten ist es, das Schlägerblatt aus den Handgelenken heraus durch die ganze Bewegung square zu halten („square to square“). 
 
Mythos 9 - Das richtige Verhalten der Hände hängt von der richtigen Bein-, Becken- und Schulterarbeit ab

 „Für gute, vor allem lange Schläge darf man nicht in das Verhalten der Hände eingreifen. Ihr richtiges Verhalten entsteht automatisch, wenn nur Beine, Becken und Schultern sich richtig bewegen.“ Falsch!

Die Hände können sich durchaus richtig verhalten, wenn man die Beine, das Becken oder die Schultern falsch bewegt. Man muss allerdings wissen, welches das richtige Verhalten der Hände ist. Aber das wissen die Profis nicht, und die Laien erst recht nicht. Man sollte als Experte aber wissen, dass die Hände für ihre Streckbewegung nur ein Drittel so lange brauchen, wie der Abschwung der Arme dauert. Wenn man also die Hände schon im ersten Drittel des Abschwungs streckt, dann wirft man den Schläger vom Ziel weg. Und wenn man sie im zweiten Drittel streckt, dann hackt man vor dem Ball in den Boden. In beiden Fällen verpufft die Kraft, die in der Streckbewegung entsteht, bevor der Ball erreicht wird. Man hat dann so geschlagen, als hätte man die Hände nie zurückgebeugt. Und so geht die Hälfte der eigentlich gegeben und generierten Schlagkraft für den Impakt verloren. Dieses Fehlverhalten zeigen nun durchweg alle Amateure mit Hcp über 18 und noch die Hälfte aller über 15. Einstellige Handicapper zeigen dieses Fehlverhalten dagegen ausnahmslos nicht. Trotzdem wird es im Unterricht nur ganz selten thematisiert. Und meist ohne Erfolg, weil dieses Falsche Schlagen sauschwierig abzuschalten ist. Es fehlt meistens die Einsicht in die absolute Notwendigkeit und folglich auch die Geduld, den erforderlichen Lernweg durchzustehen. Die Notwendigkeit ergibt sich aber nicht nur aus dem Verlust an Schlagkraft, sondern auch daraus, dass das Falsche Schlagen nun durch lauter falsche Bewegungen in Armen Schultern, Rumpf und Beinen ausgeglichen werden muss, um überhaupt noch den Ball treffen zu können. Und so lernt der Amateur alles falsch, nur weil seine Hände sich von Anfang an und für immer falsch verhalten.

Die Wahrheit ist also genau das Gegenteil des Mythos: Wenn die Hände sich richtig verhalten, dann entstehen die richtigen Bewegungen im Rest des Körpers zum größten Teil und in oßem Maße von alleine.

Mythos 10 - Die Ansprechhaltung

„Für gute, vor allem lange Schläge ist eine korrekte Ansprechhaltung entscheidend und daher unerlässlich.“ Falsch!  
 
Erstens garantiert eine korrekte Ansprechhaltung gar nichts. Und zweites ist die im Mythos gemeinte Ansprechhaltung auch nicht geeignet, für die Schlagbewegung Vorgaben zu machen. Die Haltung, die der Körper nämlich beim Impakt, also im Moment des Treffens des Balles, einnimmt, ist eine ganz und gar andere, als die, die weithin als Ansprechhaltung gelehrt wird. Deshalb ist auch die Hoffnung unbegründet, es wäre hilfreich im Abschwung mit dem Schlägerkopf zum Ball und mit dem Körper zur Ansprechhaltung zurückfinden zu wollen.

Am schlimmsten ist dabei die Absicht, den Schlägerkopf mit den Händen, vornehmlich der rechten (unteren), zum Ball hin zu steuern oder zu transportieren. Dabei entsteht nämlich spätestens das Falsche Schlagen, weil die Hand gleich beim oder nach dem Umschwung auf den Schaft drückt, um den Schlägerkopf unter Kontrolle zu bringen, und so ihre Schlagkraft viel zu weit oben („zu früh“) auslöst.
Ideal ist für den Hobbygolfer, im Ansprechen die Impakthaltung nachzuahmen. Damit suggeriert er sich und seiner Motorik das Ziel der Schlagbewegung.


Mythos 11 - Rumpf nicht nach rechts lehnen

„Für gute, vor allem lange Schläge ist es nicht nötig, den Rumpf vom Ziel weg zu lehnen.“ Falsch! 

Amateure lehnen ihren Rumpf nicht wie die Könner vom Ziel weg, weil sie bei einem nach rechts Kippen („Tilt“) wegen ihrer falsch agierenden (werfenden oder hackenden) rechten Hand dann vor dem Ball in den Boden schlagen würden. Also lassen sie den Rumpf aufrecht oder lehnen ihn gar zum Ziel hin, um den verfrühten Bodenkontakt zu vermeiden. Das ist aber nur eine Kompensation für den Fehler der rechten Hand und niemals eine taugliche Korrektur, wenn man einen ordentlichen Golfschlag entwickeln möchte. Diese Scheinlösung ist vielmehr eine Katastrophe, weil durch das zum Ziel Lehnen auch der Schaft beim Impakt zum Ziel gelehnt ist, wodurch der Loft-Winkel steiler wird und die langen Eisen und Hölzer für Amateure unspielbar werden.

Mythos 12 - Freiheit für den Kopf

„Für gute, vor allem lange Schläge ist es keinesfalls sinnvoll oder gar hilfreich, den Kopf ruhig an seinem Platz zu halten.“ Falsch! 

Alle Profis halten den Kopf während des Schlagens, also bis zum Treffmoment so still sie nur können. Erst danach überlassen sie ihn der Wucht des Durchschwungs. Keinesfalls drehen sie beim Abschwung den Kopf, also nur das Gesicht, in Richtung Ziel, weil dies der rechten Schulter den Weg nach zu weit unten freigibt. Keinesfalls wandern sie mit dem Kopf mehr als ein paar Zentimeter hin und her. Und keinesfalls heben sie den Kopf während des Durchschwungs aus seiner Anfangslage nach oben, weil dies einem Aufrichten des Rumpfes entspricht, welches ein sauberes Treffen des Balles extrem schwierig gestaltet. Selbst die Spieler, die im Durchschwung die Knie strecken, machen als Ausgleich dafür den Rücken krumm, damit der Kopf und die Drehachse der Arme auf ihrer Höhe bleiben.

Auch wandert der Kopf des Könners keinesfalls durch den Schlag in Richtung Ziel, weil dadurch die Stabilität des (Ober-)Körpers verloren geht. Dieses Gegenlager ist aber nötig, damit Arme und Hände richtig durchschwingen können. 
Beim Driven bewegt sich der Kopf der meisten Könner daher während des Durchschwungs sogar deutlich vom Ziel weg. Um das festzustellen, muss man natürlich mal mit kritischem Geiste ein paar Videos studieren.

Mythos 13 - Durch den Ball schwingen

„Für gute und vor allem lange Schläge darf man nicht nach dem Ball schlagen. Man muss durch den Ball hindurchschwingen.“ Falsch!


Wer glaubt, er müsse mit dem Schlägerkopf durch den Ball schwingen, der forciert den Durchschwung, d.h. er strengt sich mit den Händen während des ganzen Durchschwungs an. Auch nachdem er den Ball längst betroffen hat. Diese ungezielte, übermäßige Anstrengung kennzeichnet die Bemühungen fast aller Hobbygolfer und -golferinnen mit Hcp. über 18 und noch ca. 50% aller Bogey-Scratches.

Die Könner strengen sich nur während ca. 0,2 Sekunden wirklich an, nämlich im zweiten Teil des Abschwungs und ein wenig darüber hinaus. Und zwar mit Armen und Schultern, nicht mit den Händen. Die Anstrengung geht, betrachtet man den Weg des linken Armes, von 9 nach 5 Uhr, für die Hände nur bis 7 Uhr. Die Arme schwingen zwar nicht träge durch, werden also durchaus kraftvoll über den Ball hinweggeführt. Sie werden aber trotzdem langsamer, weil sie Energie an den Schläger abgeben. Und der Schlägerkopf schießt auf den Ball hinab, ohne dass der gute Spieler die Absicht hätte, dies zu forcieren. Erst recht nicht über den Treffmoment hinaus. Im Gegenteil: sofort nach dem Impakt bricht der gute Spieler alle Anstrengung ab und fängt die Wucht des Schlägers aktiv auf. Deshalb ist das Finish des Könners geschmeidig und elegant, während es nach dem „Schwingen durch den Ball“ bei den Werferinnen verkrampft wirkt und bei den Hackern gewalttätig.
Also: Die Arbeit des Golfschlages ist bei dessen korrekter Ausführung sofort nach dem Impakt erledigt. Ein kraftvoller Durchschwung ist nicht nur nutzlos sondern schädlich, sowohl für das erreichbare Schlägerkopftempo als auch für die Steuerung und letztlich für die Gesundheit.
Der Schlägerkopf hält seine Höchstgeschwindigkeit kaum eine Millisekunde lang. Sobald sie erreicht ist, nimmt sie so rapide ab, wie sie vorher angestiegen ist. Werferinnen und Hacker erreichen diesen Moment aber viel zu weit oben im Abschwung. Und dann versuchen sie mit Gewalt, das Tempo an den Ball zu bringen – unterstützt durch den Irrglauben, sie müssten „durch den Ball schwingen“

Schluss

Das wirklich Wesentliche am Golfschlag ist das Doppelpendel aus Armen und Schläger, unterstützt durch den Schultergürtel und den Rumpf. Die Beine haben nur stabilisierende Aufgaben, wenngleich ihre Kräfte mit der im Oberkörper generierten Schlagkraft natürlich mitwachsen müssen. Das Entscheidende am Doppelpendel ist das Timing von linkem Arm und rechter Hand. Wenn es klappt, kann der Rumpf in die richtige Neigung vom Ziel weg gebracht werden. Und mehr ist für einen zufriedenstellenden Golfschlag nicht erforderlich. Die 12 Mythen jedenfalls lenken vom Weg zu diesem einfachen Ziel auf fatale Weise ab.

Drei weitere Mythen begleiten den normalen Golfschüler auf seinem Irreweg durch das Chaos der falschen Vorstellungen von der korrekten Golfschlagtechnik.



Mythos 14 - Das Visualisieren

„Für gute, vor allem lange Schläge ist es von großem Nutzen, sich vor der praktischen Ausführung den gewünschten Ballflug vor dem geistigen Auge auszumalen.“ Falsch!

Diese, unter dem Sammelbegriff „Mentale Arbeit“ verherrlichte Technik funktioniert nur bei Spielern, deren Talent sie in die Lage versetzt, einen Schlag ziemlich genau so auszuführen, dass der erwünschte Ballflug tatsächlich zustande kommt. Dieses Talent ist aber äußerst selten und wird in der Regel durch ein sehr niedriges Handicap belohnt, nicht selten sogar mit Meisterehren und Millionenschecks. Ein halbwegs normaler Mensch darf davon gerne träumen, aber dem Gelingen seiner Golfschläge wird dies niemals zuträglich sein. Dazu hat er viel zu große technische Probleme und diese werden durch Ballflugvisionen nur noch schlimmer. 



Mythos 15 - Selbstvertrauen

Selbstvertrauen und Selbstsicherheit werden nur all zu oft mit Selbstbewusstsein verwechselt. Wer sich seiner selbst bewusst ist, der kennt seine Fähigkeiten und deren Grenzen ziemlich genau. Und deshalb wird sein Selbstvertrauen niemals darüber hinausschießen. Er weiß dass  eine sich künstlich selbst eingeredete Selbstsicherheit nichts an seinen Grenzen ändert. Der Glaube, seine Grenzen überschreiten zu können, ist absurd, weil Grenzen genau da liegen, wo man am Ende ist mit seinem Latein und seinem Talent und seinem Können. Wer sich selbst mehr Vertrauen schenkt als er verdient, der wird jämmerlich scheitern. Und das tun alle Menschen, Sportler und Golfer, die an den Mythos der Selbstüberschätzung glauben.

Mythos 16 - Individualität

 „Es gibt beim Golfen kein Richtig und Falsch. Jeder muss seinen eigenen Schwung entwickeln.“ Falsch!

Es geht beim Golfunterricht um das Erlernen einer Technik, nicht um die Entfaltung eines persönlichen Stils. Die Behauptung, jeder Profi schwinge letztlich anders und deshalb gebe es den perfekten Schwung nicht, ist nur eine sowohl von Schülern als auch von Lehrern immer wieder gern aufgestellte Schutzbehauptung für den eklatanten Misserfolg beim Erlernen und Lehren eines tauglichen Bewegungsablaufs. Und dieser misst sich schließlich am Ballflug, nicht am Stil. Und wenn der Ballflug gleichbleibend schlecht ist, dann ist die Schlagbewegung in sich falsch.

Wahr ist, dass alle Könner im Prinzip genau dasselbe machen. Die  Bewegungsstruktur, das sogenannte Muster, ist bei allen Könnern genau gleich. Unterschiede bestehen lediglich in den Feinheiten, eben im Stil. Und den kann man weder lernen, noch lehren noch verlernen. In meinen und einigen anderen Büchern steht es beschrieben. Und wenn es nichts Verbindliches über den Golfschwung zu sagen gäbe, dann hätten hoch anerkannte Meister keinen Grund gesehen, Bücher darüber zu schreiben. Oder ist das alles nur Kommerz? Umso schlimmer.
 

Das Einzige was hilft ist, das Richtige zu lernen, das richtige Verstehen der Technik und das richtige Üben. Mit dem richtigen Wissen bringt es am meisten Spaß und natürlich am meisten Erfolg.

23.08.2011

Verzögertes Strecken der Handgelenke

Thomas Zacharias ©

Hier ist ein Experiment zu sehen, welches zeigt, wie verzögertes Strecken der Handgelenke beim Golfschwung wirkt.
Das lose Ende einer Kette, die um ihr fest verankertes Ende pendelt (links), ist nach 90° Drehung mehr als doppelt so schnell wie das Ende eines Stabes mit ansonsten gleichen Eigenschaften (rechts).
Und das, obwohl bei der Kette die letzten Glieder auch in der Nähe der Senkrechten hinter der Gesamtbewegung zurückgeblieben sind.

Dieses Zurückbleiben wird beim Golfschlag durch das späte aber hoch schnelle Zusammenziehen des Golfermuskels überwunden, wodurch das Händegelenk ruckartig gestreckt wird. Die oberen Kugeln der Kette würden durch solche Kräfte langsamer werden und die unterste in gleichem Maße schneller.

Der hoch begabte Sportler macht es instinktiv richtig. Der weniger begabte, aber intelligente Laie wird sich bemühen, diesen Trick zu erlernen. Das ist Golf-Intelligenz. GO-IN!








                                  Unterschied beim Maximum 29 zu 56 ft/sec = 98% mehr Tempo!




03.08.2011

Schieben und Drehen ist tabu

Thomas Zacharias ©

Für Anfänger ist es auch wichtig zu wissen, welche landläufigen Tipps falsch sind oder missverstanden werden können.

Die Grundkatastrophe ist natürlich das Falsche Schlagen, das Schwingen mit steifen oder zu früh gestreckten Handgelenken. Es ist die Hauptquelle vieler anderer Fehler.
Da der tiefste Punkt des Durchschwungs dabei rechts vor dem Ball liegt, der Schlägerkopf also vor dem Ballkontakt den Boden aufwühlt, sucht die menschliche Motorik Abhilfe darin, dass sie die Hauptdrehachse nach links verschiebt. Unterstützt wird sie dabei mental durch den Mythos Gewichtsverlagerung.

Viele Könner zeigen eine solche. Sie wird aber in der Fachwelt falsch beschrieben, und da sie nicht notwendig ist, um lange gerade Schläge zu machen, kaum einen Beitrag zur Schlagkraft liefert, ist sie für Anfänger Tabu. Trotzdem sei die richtige Gewichtsverlagerung hier kurz beschrieben, um zu zeigen, welch eine komplizierte Aufgabe diese überflüssige Technik darstellt.

Der Könner wandert mit seinem Gewicht beim Ausholen um wenige Zentimeter nach rechts. Beim oder sogar vor Beginn des Abschwungs wandert sein Massenzentrum wieder zur Mitte und bleibt dort während des ganzen Durchschwungs stehen. Erst lange nach dem Durchschwung lassen sich viele Könner von der Wucht des Schlägers mit ihrer Masse auf das linke Bein ziehen. Viele andere bleiben mit ihrer Masse aber auch bis ins Finish zentriert.
Entscheidend ist dabei nur eines, für Könner und Anfänger:
Dass der Massenmittelpunkt (KSP) und die Wirbelsäule, um die sich alles dreht, im Durchschwung stabil über der Mitte bleiben. Nur so ist garantiert, dass die linke Schulter im Treffmoment da ist wo sie hingehört: Immer genau über den tiefsten Punkt des Durchschwungs. Und der muss etwas rechts vom linken Fuß liegen.

Versucht nun der Hobbygolfer, falscher Anleitung folgend, seine Masse während der Schlagbewegung ungebremst von rechts nach links zu verschieben, so wird er mit Sicherheit die linke Schulter schon vor dem Treffmoment weit vor den tiefsten Punkt gebracht haben.
Und so sind seine Schläge „gequetscht“: Er lehnt sich mit dem Rumpf in Richtung Ziel und dazu womöglich auch noch in Richtung Boden. So zeigen linker Arm und Schlägerschaft im Treffmoment nicht genau nach vorn-unten sondern schräg nach rechts. Und so trifft der Schlägerkopf zwar schön von oben auf den Ball, verliert aber aufgrund der Neigung des Schaftes dermaßen an Loft, dass der Ball viel zu flach startet.
Zudem ist das Schlägerblatt noch nicht ganz square sondern noch etwas offen. Und so droht teuflisch grinsend schon der Slice.

Ferner gräbt sich der Schlägerkopf danach tief in den Boden. Und um das zu vermeiden oder zu lindern, zieht der Spieler die Schultern hoch und beugt die Ellbogen (Chickenwing), richtet sich auf oder steigt auf die Fußballen. Und so verliert seine Bewegung jede Möglichkeit, effektiv zu sein.
Die Balance halten fühlt sich an, als würde man beim Durchschwung rechts bleiben. Wenn man dabei nicht nach rechts umkippt, sondern auf beiden Füßen stehen bleibt ist genau dies perfekt. Dieses gefühlte Rechtsbleiben mit Schultern und Kopf gibt dem Becken erst die Freiheit, wie bei den Profis richtig zu shiften und zu twisten.

Der zweite katastrophale Mythos ist die Körperdrehung, getragen von Beinen und Rumpf. Hier vermuten die zurückgebliebenen Experten die motorische Initiative zur Kraftentfaltung. Es ist zwar richtig, dass hier große starke Muskeln aktiv sind, aber diese unterstützen motorisch gesehen nur die Aktivitäten von Schultern, Armen und Händen.
Wer sich darauf besinnt, diese drei Körpersegmente richtig zu bewegen, der wird dabei vom Rest des Körpers spontan massiv und kräftig unterstützt. Doch wer weisungsgemäß andersherum arbeitet, der vernachlässigt die alles entscheidenden Bewegungen zugunsten der sekundären Elemente (Beine und Rumpf) und wird zwangsläufig scheitern.

Bewegt man bewusst nur den linken Arm auf die richtige Weise, werden Schultern und Beine spontan richtig mitarbeiten, solange man sie still in Balance hält und nicht glaubt, sie müssten eigene, eigens gesteuerte Bewegungen ausführen.
Und wenn man dazu den Schläger mit den Händen richtig führt, ist der Erfolg wirklich nur noch eine Frage der Übung und der Präzision. Zu viele Anfänger schlagen aber technisch völlig falsch, und glauben dann, dass sie nur noch durch Übung die Präzision verbessern müssten, um bessere Golfer zu werden.

Der SuperGAU ist natürlich die Verbindung von Schieben und Drehen.
Hier verliert der Spieler endgültig die Kontrolle über die Schlägerbewegung, und vernünftige Golfschläge werden endgültig unmöglich. Der Körper dreht und wandert unter den eigentlichen Schlagwerkzeugen herum, nimmt sie dabei mit und vereitelt deren korrekten Einsatz ohne Hoffnung auf irgendeine Korrekturmöglichkeit.

Der Lernweg war von Anfang an in eine Sackgasse gestartet. Das Haus muss abgerissen und neu erbaut werden.

15.07.2011

Biomechanik der linken Hand

Thomas Zacharias ©

Nachdem ich das Gesetz des Richtigen Schlagens entdeckt, erfolgreich erprobt und plausibel beschrieben hatte, war ich doch noch einige Jahre dem Irrtum aufgesessen, es sei egal was die Linke tut, Hauptsache sie greift richtig und die Rechte handelt richtig. Entsprechend unsicher waren meine Schläge, sodass ich erschreckend oft am Rande der Verzweiflung war.
Diese Dinge kann man eben auch nicht in Zeitlupe sehen. Schon gar nicht, solange man nicht ahnt, wo das Problem überhaupt sitzen könnte.

Es saß am Ende in der Anatomie des linken Handgelenkes und seiner Stellung zu Haltung und Verhalten der Rechten. Und nur wenn man das wirklich durchschaut, kann man das Richtige Schlagen zur Vollendung bringen. (Vollendung ist nicht Perfektion. Die nennt man auf Deutsch Vollkommenheit. Vollendung heißt nur, dass im günstigsten Fall tatsächlich alles gelingt, weil man wirklich weiß wie es geht und es richtig geübt und ausgeführt hat.)

Meine Annahme war also: Wenn die Rechte alles richtig macht, muss die Linke sich nur anpassen. Der Fehler lag in dem Wörtchen „nur“, denn sie tut sich weit schwerer damit, als man ahnen möchte. Und wenn sie es nicht schafft, dann führt sie die Rechte zu falschem Handeln, und RS wird annähernd unmöglich.

Halten Sie einmal ihre beiden Hände so vor die Brust, wie sie es von Dürer oder vom katholischen Beten her kennen. Jetzt lassen sie die Rechte an ihrem Platz und nehmen die Linke etwas zur Seite, drehen sie um 90 Grad, sodass der Handrücken oben ist und der Daumen darunter verschwindet, und dann legen Sie die flache Linke, jetzt quer liegend, an die rechte Handfläche, mit dem linken Zeigefinger parallel zu deren Mittelfinger. Jetzt liegen die Handflächen um 90 Grad zueinander verkantet. Und das entspricht ihrer Stellung beim richtigen Golfgriff.

Das kleine Experiment beginnt aber erst jetzt:
Beobachten Sie, was passiert, wenn sich die Rechte dorsal (nach hinten) beugt: Die Linke beugt sich radial zum Daumen hin, zur Speiche (radius).
Und diese Beugung ist nicht nur sehr begrenzt sondern auch entsprechend unbequem.  Forciert man diese Beugung, so können Schmerzen entstehen – derart ungewohnte Belastungen der Sehnen und Gelenke, dass beim Ungeübten Entzündungen und Muskelverhärtungen drohen.
Um den ungewohnt unbequemen Spannungen auszuweichen, neigt das linke Handgelenk nun unbemerkt dazu, dorsal (also zum Handrücken hin) nachzugeben, also die Beugung zu verschieben.
Machen Sie das einmal und Sie werden sehen, dass sich nun das rechte, dorsal gebeugte Handgelenk im Sinne einer Pronation (Rotation einwärts) verdrehen muss.
Dadurch kann der Schlägerschaft die Schwungebene verlassen und oben nach rechts am Ziel vorbei zeigen. (Fachsprache nach O.Heuler: Kreuzen) Und dies wiederum kann ein Verfehlen des erwünschten Schwungweges verursachen.
Aber auch die Steuerung der Steckkraft der rechten Hand ist nun gestört.
Und ebenso die Steuerung der Schlagflächenstellung entsprechend der Stellung der linken Hand.
Beides muss irgendwann vor dem Impakt berichtigt werden. Sonst wirkt der Druck der rechten Hand während des Abschwungs vom Körper weg (Socketgefahr), und das Schlägerblatt gelangt offen an den Ball (Socket- und Slicegefahr)!

Die einfachste, technische Lösung all das zu vermeiden ist natürlich die, den linken Handrücken konstant plan zu halten, also das Gelenk ausschließlich radial zu beugen. Und dies erfordert eine anatomische und physiologische Anpassung, die beim Spätanfänger Wochen, ja Monate dauern und in eine komplizierte orthopädische Erkrankung führen kann.
Die Alternative ist die, ein bisschen, nicht zu viel, dorsales Nachgeben im linken Handgelenk zu erlauben und es mit einem entsprechend stärkeren* Greifen auszugleichen (*Linke Hand greift so, dass das Schlägerblatt geschossener ist.) Man mogelt sich also irgendwie durch.
Bleibt die professionelle Variante: Wenn die Rechte mal kapiert hat, dass sie im Abschwung gebeugt bleiben muss und sich nicht mutwillig strecken darf, dann kann man auch, wie die Könner es machen und immer berichten, mit links aktiv steuern und schlagen lernen. Ich gebe also oben bequem dorsal nach und besorge die gerade Ausrichtung im Laufe des Abschwungs, indem ich den Handrücken mit begradigtem Gelenk in Zielrichtung wende.

Der Weg zum RS hat also 3 Klippen:
Körper Stillhalten,  rechte Hand bändigen,  linke Hand anpassen.
Der Körper braucht Ruhe im Kopf. Die Rechte braucht Selbstbeherrschung, und die Linke braucht Geduld. Alle brauchen Wissen und Entschlossenheit.

Nochmal zur Bequemlichkeit der Linken: Beim klassischen Ansprechen ist das linke Handgelenk extrem ungemütlich dorsal gebeugt. Es soll aber beim Durchschwingen plan gehalten werden. Warum also nicht gleich plan und bequem Ansprechen?  
Ich weiß es nicht. Also mach ich es so. Dabei kann das Schlägerblatt sogar auffällig weit zugedreht am Ball stehen. Ich mach mir da nichts draus, schwinge zuversichtlich durch und siehe da: Der Schlag ist lang, hoch und gerade – um nicht „perfekt“ zu sagen.

Versuchen und berichten!

05.07.2011

Probeschwung und Schlag mit Ball

Thomas Zacharias ©

Ein für Hobbygolfer ganz typisches Phänomen ist der eklatante Unterschied zwischen ihren Probeschwüngen und dem anschließenden Schlag nach dem Ball. Der Probeschlag befindet sich meist schon ganz nahe am Ideal. Wer ihn beobachtet denkt: „Na, das sieht doch recht manierlich aus.“ Doch wenn es Sekunden später darum geht, den Schlag tatsächlich auszuführen, ist derselbe Spieler nicht wiederzuerkennen. Nicht nur dass er sich plötzlich viel schneller bewegt, dass alles verkrampft und unrund wirkt. Es tauchen Bewegungen auf, die vorher nicht zu sehen waren, ja die absolut fehlerhaft sind. Und das ist natürlich auch ein psychisches Problem.  
 
Die bewusste Absicht verlagert sich weg von der Technik und der Körperbewegung hin zum erwünschten, angestrebten Ballflug; von der Ausführung zum Resultat, vom sorglosen Bewegungsfluss hin zu einer um Genauigkeit bemühten, krampfhaft gesteuerten Aktivität.
Das Problem ist aber auf der psychologischen Ebene nicht zu lösen. Schließlich unterliegen doch alle Bemühungen dem Ziel Ballflug. Auch den Probeschwung hat man doch gelernt, weil man damit einen perfekten Ballflug erzeugen zu können hofft. Diese Hoffnung aufzugeben oder auszublenden würde den Sinn des Spiels und die selbstgestellte Aufgabe ad absurdum führen, das Motivationsgebäude zum Einsturz bringen.

Die berühmte Absichtslosigkeit der Zenmeister steht nicht am Anfang der Lehrjahre, sondern am Ende. Niemals Ziel. Nur Nebenprodukt, Randerscheinung. Unerwarteter Folgezustand äußerster Besonnenheit beim Lernen und Üben. Erleuchtung nebenbei. Enlightment by the way. Auf dem Weg. Und plötzlich in tiefster Selbstversunkenheit, in höchster Hingabe an die Arbeit – das Spiel, der Flow!

Als lernender Golfer sollte man also seine ganze Aufmerksamkeit darauf richten, den Körper zu beherrschen und ihm die Bewegungen abzuverlangen, die man als richtig und notwendig anerkannt hat. Nur dann entsteht die Erfahrung, dass mit dem Probeschwung der Ball tatsächlich viel besser fliegt. Wie aber bekomme ich den Probeschwung an den Ball?!
Nicht nur indem ich mich von der Ballflugvorstellung abwende, bzw. sie zwischen Probe und Ernst gar nicht erst aufkommen lasse.
Ich muss ergründen, was mein Körper am Ball plötzlich vorbei an allen guten Absichten anders macht. Und diese Eskapaden müssen dann mit Einsicht, Disziplin und festem Willen unterbunden werden.

Als Erstes vermeiden wir die unbewusste Temposteigerung und Kraftübertreibung. Also machen wir den Probeschwung mit annähernd 100% Tempo und Kraft, und nehmen uns vor, am Ball nur 80 bis 90% einzusetzen. Hier spielt wieder das Verhalten der rechten Hand eine gewichtige Rolle. Beim Probeschwung hält sie sich brav zurück. Und wenn es ernst wird, macht sie wieder Power und führt sich auf wie ein Despot.
Also schreie man sie innerlich an: „Strecke nicht – beuge!“
Und dem Körper flüstere man zu: „Laaangsam bitte. Bloß nicht Dreschen!“ Und wenn das Ziel noch so weit, der Baum noch so hoch, das Wasser noch so breit ist.

Zweitens verzichten wir auf die Absicht, den Schlägerkopf jetzt auch so präzise wie möglich an den Ball zu führen. Machen wir uns klar, dass Arme und Schlägerschaft ihre Länge nicht verändert. Wenn ich beim Probeschwung 10cm vor dem Bal durchschwinge und dann 10cm vortrete, dann schwingt der Schlägerkopf auch durch den Ball. Darauf muss ich mich verlassen. Wenn ich allerdings beim Schlag technische Fehler einbaue, kann diese Erfahrung natürlich nicht aufkommen. Und dann entsteht ein Teufelskreis aus Sorgen und Fehlern. Je unsicherer ich bin, desto mehr Fehler mache ich, und umgekehrt.

Drittens und am wichtigsten, weil am wirkungsvollsten: Brechen wir wirklich jede Anstrengung kurz vor dem Impakt ab. Versuchen wir, nie mehr mit Kraft durch den Ball zu schlagen, oder ihn mit Druck von hinten in die erhoffte Flugbahn zu steuern. Bei linker Arm 7Uhr (SP2) ist die Nacht vorbei! Der Job getan. Also:
Schlage abwärts, niemals zielwärts. Triff den Ball und Schluss! Der Ball ist das Ziel. Nicht das Fairway, nicht die Fahne.
Es gehört also zu einem guten Probeschwung, auch mental so zu tun als wäre es der Schlag mit Ball. Dieselben Vorstellungen, dieselben Gedanken.
Und erst wenn man das schafft, reicht es sich vornehmen, am Ball wirklich nichts anderes zu machen, als beim Probeschwung.
Eine Hilfe dabei ist, die Zeitlücke so kurz wie möglich zu halten, also direkt hintereinander zweimal genau dasselbe zu machen. Damit kann man bis zu einen gewissen Grad das Aufkommen anderer Absichten austricksen. Also Ballflugvorstellung, Taktik und Zielorientierung abschließen und nicht mehr darauf zurückkommen. Probeschwung wie den vollständigen Schlag ausführen und sofort am Ball wiederholen.

Wegen dieser Klippe ist es so heikel, auf der Range viele Bälle zu schlagen und seine Erfahrungen und Emotionen überwiegend an den Ballflug zu koppeln, also an Erfolg oder Misserfolg. War der Ballflug gut, möchte man den nächsten erleben und rechtfertigt das mit der Hoffnung, dass viele Wiederholungen für Zuverlässigkeit und Sicherheit sorgen. Und wenn der Ballflug schlecht war, dann will man ihn so schnell wie möglich durch einen besseren vergessen machen. Deshalb ist es so mühselig und kostet so viel Geduld und Überwindung, nach jedem Schlag mit Ball wieder Probeschwünge zu machen. Aber einen anderen Weg gibt es wohl nicht.