31.1.18

INSTINKT UND EINSICHT BEIM GOLFSPIELEN

Thomas Zacharias

Eine Golflehre, deren Aussagen einem normalen Abiturienten nicht paradox erscheinen, ist mit Sicherheit falsch. Gerade weil man beim Golfschlag alles andersherum machen muss, als es der falsch informierte Verstand und der falsch programmierte Instinkt des unbegabten Sportlers vorgeben zu müssen glauben, ist es ja für Hobbyspieler so schwer, eine Technik zu entwickeln und zu erlernen, mit der anständige Schläge entstehen. Dazu kommen jede Menge Gerüchte darüber, was alles richtig und wichtig sei, so dass man sagen muss: Gutes Golf scheitert vor allem an einer Vielzahl falscher Informationen und Vorstellungen, die den irrenden Instinkt in seiner Irrfahrt mental bestätigen.

Der Instinkt will mit der rechten Hand zuschlagen und den Schlägerkopf dabei gezielt zum Ball führen. Und beides führt direkt und unausweichlich in den Misserfolg. Ebenso die instinktive Schufterei mit Beinen und Rumpf, wo viele unnötige, sinnlose, ja destruktive Kräfte generiert werden, und jede Menge weiterer technischer Fehler entstehen.

Eine Chance, den Golfschlag richtig zu erwerben, besteht daher nur, wenn man genau das Gegenteil von dem anstrebt, was man instinktiv machen würde. Man muss das Händegelenk richtig beugen und dann beim Durchschwung der Arme niemals strecken. Man darf sogar eine spontane Streckung, wie sie durch die Bewegung der Arme und durch den Schwung des Schlägers entsteht, auf gar keinen Fall erlauben. Im Gegenteil muss man dem Schlägerschwung (irrtümlich landläufig als Fliehkraft bezeichnet) entgegenwirken und ihn mit den Muskeln der Unterarme verhindern, also den Schlägerschwung zurückhalten, den Winkel im Händegelenk gerade dann stabilisieren, wo der Instinkt und die inneren Kräfte auf eine Streckung des Händegelenks drängen.




 
Die Muskeln an der Unterseite des Oberarms strecken das Handgelenk
und sorgen für den Fehler, kraftvoll zuzuschlagen. Die Muskeln an der
Oberseite halten diese Streckbewegung zurück und vermeiden "Falsches Schlagen".




Um das zu verstehen, muss man tiefer in die Gesetze der Mechanik einsteigen, als einem selbst geheuer ist. Man muss verstehen, dass der Abschwung der Arme sich unweigerlich auf die Bewegung des Schlägers überträgt. Und zwar unverzüglich, schon im Umschwung oder kurz danach, also viel zu früh, um dann noch richtig den Ball zu treffen.

Zudem ist die Streckkraft des Händegelenks aufgrund anatomischer Fakten am größten, wenn die rechte Hand noch um ca. 30° nach hinten gebeugt ist. Wenn man also das rechte Handgelenk streckt, bevor man den Ball trifft, ist die Schlagkraft schon verpufft. Und noch schwerer wiegt die Tatsache, dass diese Streckbewegung des Händegelenks als physikalisch gesetzmäßige Folge ein unmerkliches aber massives Abbremsen des Durchschwungs der Arme verursacht, also eine Verlangsamung der Hände vor dem Treffen des Balles.

Also: Selbst wenn die volle Streckung des Händegelenks eine Steigerung der Schlägerkopfgeschwindigkeit zur Folge hätte, würde dieser Zugewinn gleichzeitig wegen der Verlangsamung des Durchschwungs der Hände zu einem Verlust dieser Geschwindigkeit, also der Schlagkraft führen. Es würde für Hände, Schultern und Arme also eine sinnlose, ja schädliche Steigerung der Anstrengung bedeuten. Und wenn man das nicht durchschaut und immer weiter die ungenügende Schlagkraft durch Anstrengung zu erhöhen versucht, gerät man in einen Teufelskreis: Die Schläge werden immer schlechter und kürzer und die Anstrengung immer größer. Und der Ausweg aus dieser Sackgasse besteht ausschließlich darin, zu lernen was hier oben beschrieben steht: Mit gebeugtem Händegelenk durchschwingen und den Ball treffen, und dabei den Durchschwung der Arme und Hände in Richtung Ziel intensivieren.

Ein Golfgesetz lautet: Man schlägt umso weiter, je weniger der Armschwung über dem Ball an Tempo verliert. Und das hängt in erster Linie davon ab, dass das Händegelenk grundsätzlich und durch den Schwung hindurch gebeugt gehalten wird.

Eine schlimme Falle lauert beim Einnehmen des Winkels im Händegelenk: Der naive Instinkt sorgt dafür, dass die Unterarme die Hände so verdrehen, dass das Schlägerblatt sich öffnet, also aufdreht. Im Abschwung bleibt es dann leider geöffnet, weil kein Instinkt da ist, der dafür sorgte, dass es sich wieder schließt. Und schon wird der Ball mit dem Schaft (Socket) getroffen und schießt im rechten Winkel zur Ziellinie ins Unkraut. Dieser Katastrophe beugt man vor, indem man beim Setzen des Händewinkels das linke Handgelenk palmar, also zur Handfläche hin beugt, nicht dorsal, also zum Handrücken hin.

Durch das Halten des Winkels im Händegelenk entsteht auch eine andere Form von Finish. Man wickelt nicht mehr den rechten Arm um den Hals, um den Schläger bis zum Ende um den Körper herum schleudern zu lassen, sondern man bricht den Schwung ab, sobald der Schläger oder der rechte Arm die Waagerechte erreicht haben, und zieht dabei die beiden Ellbogen zur Brust heran. Am Ende der Bewegung steht der Schläger annähernd senkrecht vor einem und im Blick parallel zur (imaginären) Zielfahnenstange. Diese Form von Finish anzustreben, hilft einem auch wieder dabei, den Händewinkel im Durchschwung zu halten anstatt ihn loszulassen oder gar absichtlich zu strecken.

Schlimmer noch als falsche Instinkte sind falsche Anleitungen. Vor allem die, mit dem Gewicht hin und her zu wandern und tüchtig den Schultergürtel zu drehen. Wer solchen Behauptungen glaubt und folgt, verdirbt sich jede Chance auf einen zufriedenstellenden Golfschlag. Richtig ist, das Gewicht möglichst still zu halten, weder auf und ab noch hin und her zu wanken und den Schultergürtel überhaupt nicht mit Absicht zu drehen. Beim Ausholen mit dem linken Arm dreht sich der Schultergürtel automatisch nach rechts hinten. Und beim Abschwingen muss man dafür sorgen, dass die rechte Schulter nicht aktiv zum Ball dreht, sondern viel mehr hinter der Bewegung der Arme zurückbleibt, bis der Ball getroffen wurde. Eine „drängelnde rechte Schulter“ ist reines Gift und führt zu Kraftverlust, Richtungsverlust (Pull), Fehltreffern (Sockets). Der linke Arm kann nicht in Richtung Ziel gezogen werden, die Hände können nicht ungebremst über dem Ball durchschwingen, wenn der Rumpf, also vor allem der Schultergürtel, aktiv zum Ziel gedreht werden.

Diese Kräfte haben zur Folge, dass der linke Arm in der Ausholhaltung vor der Brust liegen bleibt und nicht zurück in die Ansprechhaltung und die entsprechende Impact-Haltung finden kann. Sein Schwung wird durch eine starke Rumpf-Rotation gebremst anstatt beschleunigt.

Man muss verstehen, dass die finale Schlägerkopfgeschwindigkeit nicht davon abhängt, wie schnell man Schultern und Arme dreht, sondern wie schnell der Winkel im Händegelenk zwischen 60 und 30° verkleinert wird, und wie wenig die falsche Aktion der Handgelenke (Unterarmmuskeln) zur Verlangsamung des Armschwungs beiträgt.
Es hat also auch keinen Sinn, den Schwung besonders schnell auszuführen und weit über den Treffmoment hinaus zu forcieren. Sinnvoller ist es, den Schwung des Schlägers und der Arme schon kurz vor der Waagerechten abzubremsen und nicht jeden Eisenschlag so auszuführen, als ginge es um einen Monsterdrive mit spektakulärem, überdrehtem Finish. Die Profis von heute zeigen uns doch, dass man mit ¾-Schwung jedes Par3 vom Tee aus einlochen kann.

Das Tragische für den minderbegabten Hobbygolfer ist, dass er all das verstanden, erlebt, erlernt und bis zur Übersättigung geübt haben kann, und sein Spiel trotzdem nicht besser wird. Das liegt daran, dass man die Instinkte nicht ausmerzen kann, weil sie angeboren sind. Man ist dazu verdammt, ein Leben lang damit beschäftigte zu sein, diese Instinkte und die dazugehörigen Gedanken mit bewussten Absichten zu bekämpfen, ja niederzukämpfen. Und deshalb wird nie das Ziel erreicht, dass man spontan und ohne zu denken zuverlässig gute Schläge macht, um sich endlich dem eigentlichen Golfspiel zuwenden zu können. Für 97% aller Golfer dieser Welt ist eine Golfrunde mithin selten mehr als der Versuch, möglichst viele technisch richtige Schläge zu machen und zu hoffen, dass der Ball schön lange und gerade auf der Ziellinie bleibt. Es kommt vor, dass dies über mehrere Spielbahnen hinweg gelingt. Dann kommt der verteufelte Gedanke auf: „Jetzt kann ich’s!“ Und schon ist der schöne Traum vorbei, und die schmerzlichen Fehlschläge häufen sich wieder, bis der übliche Durchschnitt der Mittelmäßigkeit wieder erreicht ist und sich erbarmungslos auf der Scorekarte niederschlägt.

Und so sind wir Minderbegabten gefangen in einer endlosen Achterbahnfahrt zwischen Hoffnung, Hochgefühl, Genugtuung und niederschmetternden Enttäuschung, katastrophalen Misserfolgen, Ärger, Frustration und Depression.

Wer mehr Begabung für die Ausführung sportlicher Techniken mitbringt, der kann sein Augenmerk auf feinere technische Details richten. Bei jeder Technik geht es ja darum, mit der vorhandenen Kraft die bestmögliche Endleistung zu erbringen. Für höhere Ansprüche reicht also nicht mehr die bloße Grobform.
Damit das Halten des Winkels im Händegelenk gelingt, muss man wahrnehmen, wie der Schläger oben im Umschwung weiter ausholt, während die Arme schon abschwingen. Man muss das nicht unterbinden sondern richtig managen, also nutzen. Das spontane Zurückbleiben des Schlägers hilft uns ja nicht nur dabei, den Winkel im Abschwung zu halten, sondern ihn im richtigen Moment, am richtigen Ort kraftvoll von 90 über 60 nach 30 Grad zu öffnen und dadurch in der richtigen Stellung Druck auf den Schaft und damit auf Schlägerkopf und Ball auszuüben. Und das ist mehr als ein bloßes Schwingen. Es ist Schlagen – aber richtig. Wir erlauben also, dass der Schläger weiter zurück schwingt und zusätzliche Spannung in Unterarmen und Handgelenken erzeugt – wohltuender, sinnvoller Stress, der den ganzen Schlag dynamischer macht und dafür sorgt, dass der Ball wirklich erst getroffen wird, wenn die Hände über den Ball hinweg geschwungen sind. Und all dies wohlgemerkt während die rechte Hand mittels der obenliegenden Unterarmmuskeln das Vorschnellen des Schlägers dezidiert zurückhält.
Gute Golfer machen das alle spontan gleich und merken nichts davon, und so wissen sie nichts von den Sorgen der Hobbyisten, und können ihnen auch nichts Hilfreiches beibringen. Sie können uns zeigen, wie man Bach oder Chopin spielt, aber wir können ja nicht einmal das Hänschen-Klein klimpern.

Einem hochbegabten Sportler können Techniken gar nicht kompliziert genug sein. Man bestaune die Geräteturner und die Eiskunstläufer. Aber wenn die Technik nur Mittel zum Zweck ist, nämlich einem Golfball eine bestimmte Flugbahn aufzuzwingen, nicht den lieben Mitmenschen die imposante Eleganz der eigenen Schlagbewegung vorzuführen, dann sollte man in jedem Fall eine Technik wählen, die möglichst einfach auszuführen ist und keine Elemente enthält, die einen motorisch und mental an die die eigenen Grenzen führen oder gar überfordern. Man darf aber auch nicht glauben, dass es einfacher geht, als die Gesetze der Physik und Mechanik es erfordern. Es hilft natürlich, diese zu kennen und zu verstehen, um mit Überzeugung und Entschlossenheit ans Werk zu gehen und sich die Fehler die einem dabei unterlaufen zu erkennen und zu korrigieren. Man sollte sich daher dieses Studium nicht ersparen wollen, nur aus Angst sich zu verzetteln. Das gehört mit zu der großen Herausforderung, richtig Golfen zu lernen.

21.5.12

Den rechten Ellbogen strecken


Zum Richtigen Schlagen gehört, wie im ersten Buch auch schon beschrieben, dass der linke Arm von der Brust abgespreizt werden muss, damit die Hände zum Ziel geschwungen werden können. Bleibt der linke Arm nämlich vor der Brust angelegt, dann dreht der ganze Schultergürtel zu viel, sodass die linke Schulter zu früh hochdreht und den Schläger vom Ball wegzieht. Die dadurch entstehenden getopten oder dünnen Fehltreffer kann man nur vermeiden, indem man gleichzeitig in die Knie geht. Perfekt macht uns dies der Superprofi Jim Furyk (im Foto links) vor. Ein normal begabter Spieler ist mit dieser Kompensationstechnik allerdings total überfordert. 



Um nun die Hände kräftig in Richtung Ziel durchschwingen zu können, muss man nicht das Becken und den Rumpf tüchtig drehen (Pivot) sondern die Arme von der Brust weg zum Ziel führen, und dies geschieht durch zwei wichtige Muskeln:
Links der Deltamuskel und rechts der Trizeps.
(Da die Arme im Durchschwung die Drehbewegung des Rumpfes überholen müssen, ist die richtige Armarbeit umso schwerer, je schneller der Pivot.)

- Der Deltamuskel sitzt genau auf dem Schultergelenk, umschließt es quasi, hat seinen Ursprung oben am Schulterblatt und seinen Ansatz am Oberarmknochen. Wenn er kontrahiert, hebt er den hängenden Arm zur Seite, verstärkt also die Pendelbewegung des linken Armes von rechts nach links.
Der linke Trizeps arbeitet mit, denn er streckt nicht nur den Ellbogen, sondern zieht ebenfalls so am Oberarm, dass dieser um das Schultergelenk herum rotiert.

- Der rechte Trizeps unterstützt den Durchschwung des linken Armes und der Hände, indem er den rechten Ellbogen zum Treffmoment hin streckt (wenn auch nicht vollständig) und dadurch die Hände und den linken Arm zum Ziel hin schiebt.

Wenn dabei das rechte Handgelenk nicht von seiner eigenen Arbeit abgelenkt wird und sich an der richtigen Stelle beugt und streckt, dann ist bei stabil gehaltenem Körper (Sockel) alles für einen Richtigen Schlag getan. (Seine Steuerung hängt dagegen davon ab, dass man den Schläger  nahe der richtigen Ebene bewegt, richtig gegriffen hat und die Handgelenke nicht verdreht oder verkippt.)

Versuchen Sie, mit dem rechten Ellbogen die Hände also zum Ziel zu schieben und lassen Sie dabei das rechte Handgelenk zurückgebeugt. Sie werden sicher immer weniger dünne und fette Schläge machen und den Ball mit weniger Mühe dennoch weiter schlagen als je zuvor. Auch weil beim Strecken des Ellbogens (anatomisch) der Golfermuskel gedehnt, also seine Leistung gesteigert wird.

Alle guten Spieler und Lehrer machen das. Aber es ist ihnen genau so unbewusst wie das Verhalten ihrer Hände und das Erzeugen von Lag. Wenn man sie darauf anspricht, sind sie verwirrt. Wenn sie es ausprobieren, treffen sie den Ball nicht mehr und sagen, das ist falsch. Also werden sie es auch niemandem beibringen. Und schon sitzen alle ihre Schüler in der Patsche.

Zum ersten Mal wurde ich durch den Münchner Golfprofessional und Sportwissenschaftler Christian Neumeyer auf diesen Vorgang aufmerksam. Leider erst, als mein erstes Buch schon fertig war. Ich kam damals ganz gut damit zurecht, nur den linken Deltamuskel einzusetzen. Und ich habe wahrscheinlich unbewusst den rechten Ellbogen auch schon aktiv gestreckt. Aber heute weiß ich:

1. Der Deltamuskel ist allein zu schwach für diese Aufgabe. Und: Die Kraft auf der linken Körperseite entfalten zu wollen, ist mit Ziehen und Drehen verbunden, erzeugt also eine Tendenz zum Wandern, Kippen, Schieben und Pivotieren, allesamt Fehlerquellen.
2. Wenn man den rechten Ellbogen streckt, werden die Hände über den Ball hinweg zum Ziel geschoben, und gleichzeitig wird die rechte Schulter nach hinten gedrückt, also daran gehindert, übermäßig nach vorn zu drängeln und das Pivotieren zu unterstützen.

Wenn Ihr Golflehrer Ihnen von all dem noch nichts erzählt hat, wundern Sie sich nicht. Er kann das alles nicht verstehen, weil er es nicht nacherleben kann. Auch nach drei Jahren Ausbildung und 20 Jahren Berufserfahrung nicht. Er spielt einfach schon zu lange zu gut Golf. Er schlägt längst schon viel zu richtig, um zu erkennen, was er selber kann und macht. Also weiß er auch nicht, was er seinen Schülern sagen müsste, damit sie es erlernen. Haben Sie Mitleid, wenn er an Ihnen verzweifelt.
Zahlen Sie ihn aus und entwickeln Sie Ihre eigene Golf-Intelligenz.

10.1.12

DIE 16 MYTHEN DER GOLFSCHWUNGTHEORIE

DIE 16 MYTHEN DER GOLFSCHWUNGTHEORIE BILDEN
DIE 16 SÄULEN DES KLASSICHEN GOLFUNTERRICHTS

Was den zahlenden Golfschülern von ihren Golflehrern erzählt wird, ist nichts anderes als eine Reihe irreführender Märchen. Und alle glauben tatsächlich daran.

Mythos 1, Beinarbeit

„Für gute, vor allem lange Schläge ist eine ausgefeilte Beinarbeit unerlässlich.“ Falsch!
 
Man sieht bei den Profis so viele verschiedene Arten, die Beine zu bewegen, dass man nicht eine davon für allein richtig erklären kann. Es gibt Profis die ihre Beine sehr wenig bewegen und andere, die ausgeprägte Bewegungen zeigen. Manche heben den Rumpf beim Ausholen und senken ihn beim Durchschwingen wieder. Andere heben beim Aufschwung, senken beim Abschwung und heben im Durchschwung wieder. Die meisten halten den Rumpf durchweg auf gleicher Höhe. Und alle richten sich erst im Finish endgültig auf, wenn also der Schlag längst stattgefunden hat.
Die Beine jedes Golfers sind durchweg hoch aktiv, auch wenn man es nicht bei jedem sieht. Kräfte wirken auch, wenn keine Bewegung sichtbar wird. Amateure bewegen ihre Beine nur wenig, und trotzdem sind diese mit voller Kraft bei der Sache. Sonst würde der Körper nämlich beim Schlagen in sich zusammenbrechen oder aus dem Gleichgewicht kippen.
Also Beinarbeit ist wichtig. Aber kein Mensch kann einen Golfschwung ausführen, ohne intensiv mit den Beinen zu arbeiten. Dazu braucht man diese nicht aufzufordern. Sie tun das spontan und in dem Maße richtig, in welchem Arme und Hände sich richtig verhalten. Wenn diese sich falsch verhalten, dann werden die Beine das ebenso unterstützen. Und das ist dann ebenso falsch.

Mythos 2, Becken-Twist

„Für gute, vor allem lange Schläge ist eine ausgefeilte Beckendrehung unerlässlich.“ Falsch!
 
Die Drehung des Beckens, noch vor Beginn des Abschwungs oder zumindest während desselben, erfolgt immer spontan, je nach Veranlagung. Der eine Profi dreht wenig, der andere viel. Wer wenig dreht, der dreht natürlich langsamer als der der viel Drehung erzeugt, also noch vor dem Treffen des Balles die berühmte Gürtelschnalle zum Ziel gedreht hat.
Weil für die Drehung nur eine geringe Zeitspanne zur Verfügung steht, ist die Drehung logischerweise umso schneller, je größer sie ist. Dieses Drehtempo ist aber in keiner Weise entscheidend oder gar unverzichtbar für gute, weite Schläge. Ben Hogan, Longhitter Jamie Sadlowski und Luke Donald, zum Beispiel, zeigen weit weniger Beckentwist als Rory McIlroy. Ihre Gürtelschnalle zeigt kurz vor dem Treffmoment noch auf den Ball. Grad wie bei den meisten Amateuren. Warum also daran herumbasteln?!

Mythos 3, Becken-Shift

„Für gute, vor allem lange Schläge ist eine ausgeprägte Verschiebung des Beckens in Zielrichtung unerlässlich.“ Falsch!
 
Manche Profis sind in den Lenden so elastisch und frei beweglich, dass man beim Zuschauen Angst bekommt, sie könnten in der Mitte durchbrechen. Andere sind, wie die Mehrzahl der normalen Menschen, in den Lenden eher steif. Können diese deshalb keine guten, langen Golfschläge machen? Doch. Können sie. Und warum? Weil eine ausgeprägte Verschiebung des Beckens eben nicht erforderlich ist, um gute, lange Golfschläge zu machen.
Das berühmte „aus dem Weg nehmen“ der Hüften, also diese Mischung aus Twist und Shift, hat überhaupt keinen technischen Wert. Denn es gibt keinen Weg, aus welchem ein Golfer die eine oder andere seiner Hüften nehmen müsste.
Der Shift den man sieht ist kein dynamisches Element. Man schlägt damit nicht weiter als ohne. Es ist nur eine spontane Ausgleichsbewegung für das nach rechts (vom Ziel weg) Kippen des Rumpfes, also seiner Längsachse, seiner Wirbelsäule. Und dieses Kippen ist allerdings technisch erforderlich.
Und deshalb gehört es nicht zu den Mythen. Siehe also weiter unten.

Mythos 4, Gewichtsverlagerung

„Für gute, vor allem lange Schläge ist eine ausgeprägte Verschiebung des Gewichts, also der Körpermasse in Zielrichtung unerlässlich.“ Falsch!
 
Kein Golfprofi verschiebt seine Körpermasse während des Schlages. Alle bemühen sich, ihren Körperschwerpunkt mittig zwischen den Füßen im Gleichgewicht zu halten. Dazu sind all ihre sichtbaren Bewegungen da.
Erst nach dem Treffmoment zeigen viele Könner heute eine Verlagerung ihrer Körpermasse auf das linke (zielnahe) Bein. Aber das hat keinen Einfluss auf die Schlagleistung. Es ist nur eine Schonhaltung für ihre Lendenwirbelsäule.
Junge Biomechanik-Professoren, die zu viele Messinstrumente haben und zu viel Elektronik bemühen, sind von ihren Messdaten und graphischen Darstellung (Diagrammen) so begeistert, dass sie die Kausalzusammenhänge willkürlich interpretieren und immer wieder das finden, was sie vorher schon gehofft haben. Sie bestätigen immer nur die Mythen, haben noch keinen der hier aufgeführten widerlegt. Sie schwätzen nur die alten Meisterlehren nach.
Die Druckkurven, zum Beispiel, die bei Lastmessungen unter den Füßen der Golfer entstehen, zeigen keinesfalls, dass der Schwerpunkt der Könnerhin und her bewegt wird. Im Gegenteil: Sie zeigen auf, dass die Beine damit beschäftigt sind, solche Verschiebungen durch Gegendruck zu vermeiden. Dieses Verhalten erzeugt die Kurven. Sie werden nur falsch interpretiert. Und dann beglückt man damit die armen Amateure, die sich nun bemühen, ihren Rumpf tüchtig vom Ziel weg und zum Ziel hin zu bewegen, und damit das Gleichgewicht und die Orientierung an der Balllage verlieren und ihre Schlagdynamik dezimieren.
Gute Golfer zeichnet ein sichtbar stabiles Gleichgewicht aus, welches auch in der Harmonie ihrer Bewegung zu erkennen ist.

Mythos 5, Schulterdrehung

„Für gute, vor allem lange Schläge ist eine ausgeprägte Drehung des Schultergürtels in Zielrichtung unerlässlich.“ Falsch!
 
Die meisten Menschen können ihre Schultern nur um höchstens 45° zum Becken verdrehen. Und das Becken nur um höchstens 45° zu den feststehenden Füßen.
Damit erreicht der linke (ausgestreckte) Arm also gerade mal höchstens die Waagerechte, was man gemeinhin als halben Aufschwung bezeichnet. Wie also gelangen die Hände über Kopfhöhe? 
Antwort: Indem der linke Arm vor den Hals gehoben wird. Der Winkel zwischen Schultergürtel und linkem Arm wird von 70° nach 20° also um 50° verkürzt, also zugespitzt. Dazu muss der rechte Ellbogen gebeugt werden.
Wenn man nur die Absicht hat, den linken Arm golftechnisch aufzuschwingen, dann drehen Schultergürtel und Becken ganz automatisch mit. Man braucht das nicht bewusst zu befehligen.
Das Ausholen des linken Armes geschieht dann jedenfalls nur zu einem Viertel durch Schulterdrehung, zu einem Viertel durch Beckendrehung und zur Hälfte aus dem Schließen des Schulter-Arm-Winkels. Schon mal drüber nachgedacht? Von einem Pro drauf angesprochen worden?
Beim Abschwung, also beim Zuschlagen, kommt es dann nicht darauf an, die Drehung von Becken und Schultergürtel zu steuern und zu forcieren. Das geschieht nämlich durchweg spontan, leider meist sogar übermäßig.
Es kommt darauf an, den Schulter-Arm-Winkel von 20 wieder auf 70° zu bringen, sonst können die Hände niemals richtig über dem Ball ankommen. Und ein kraftvoller Schlag kann auch nicht entstehen, wenn die linke Schultermuskulatur passiv ist. Dies ist aber bei der Mehrzahl der Amateure zu beobachten. An die Stelle der Schulter-Arm-Arbeit tritt daher eine übertriebene Rumpfdrehung, durch welche die Brust noch vor dem Impakt nicht mehr zum Ball zeigt, die linke Schulter nach hinten gezogen und die rechte nach vorne geschoben wird. Und das führt unweigerlich zu einem Durchschwung von außen nach innen; neben der offenen Schlagfläche der wichtigste Slice-Faktor.
Man muss also feststellen, dass die Arbeit in der Schulter des führenden Armes (beim Rechtshänder links) viel wichtiger ist als die Drehung des Schultergürtels. Ja man kann ausschließlich aus dem Schulterwinkel gute, lange Bälle schlagen, ohne den Schultergürtel und das Becken dazu um mehr als je 20° auf- und zuzudrehen. Der als bester Ballstriker aller Zeiten verehrte Moe Norman schlug nur aus halbem Aufschwung, also aus genau den hier angeführten Winkeln. Warum sollen Amateure diese einfache Bewegung nicht lernen dürfen?!

Mythos 6, Länge des Ausholweges

„Für gute, vor allem lange Schläge ist weites Ausholen unerlässlich.“ Falsch!
 
Viele Amateure denken oder glauben: „Je weiter ich aushole, desto weiter schlage ich den Ball.“ Wahr ist, dass es darum geht, die Länge des Ausholweges den anatomischen und motorischen Voraussetzungen des einzelnen Spielers anzupassen. Zu weites Ausholen bringt jeden Spieler aus dem Gleichgewicht und verleitet ihn zum Aufrichten des Rumpfes. Dadurch verliert er die Orientierung am Ball und verfehlt diesen höchstwahrscheinlich. Zudem wird die Koordination von Armpendel und Handgelenkswinkel immer schwieriger.

Mythos 7, Passive Hände

„Für gute, vor allem lange Schläge ist es unerlässlich, die Hände sich selbst zu überlassen und auf keinen Fall den Weg und die Stellung des  Schlägerblattes zu manipulieren Falsch!
 
Alle Könner manipulieren den Weg und die Stellung des Schlägerblattes. Allerdings tun sie es unbewusst, weil die Bewegung so schnell ist, so kurz dauert, dass man es selbst von innen her nicht richtig beobachten kann. Hochgeschwindigkeits-Videos aber bringen es an den Tag:
Profihände sind hoch aktiv und hoch sensibel und hochgradig geschickt. Was sie beim Schlagen unbewusst machen, das müssen die Hände der Amateure erst einmal erlernen, wenn sie gute, lange Schläge machen wollen.

Mythos 8, Unterarmrotation

,,Für gute, vor allem lange Schläge ist ein ausgeprägtes Auf- und Zudrehen der Schlagfläche aus den Unterarmen heraus unerlässlich.“ Falsch!

Viele Könner drehen aus den Unterarmen die Handgelenke beim Ausholen auf und beim Zuschlagen wieder zu. Diese Manipulation erfordert aber dermaßen viel Geschick, dass der Amateur sie besser weglässt. Es geht nämlich auch ohne. Am einfachsten ist es, das Schlägerblatt aus den Handgelenken heraus durch die ganze Bewegung square zu halten („square to square“). 
 
Mythos 9, Das richtige Verhalten der Hände hängt von der richtigen Bein-, Becken- und Schulterarbeit ab

 „Für gute, vor allem lange Schläge darf man nicht in das Verhalten der Hände eingreifen. Ihr richtiges Verhalten entsteht automatisch, wenn nur Beine, Becken und Schultern sich richtig bewegen.“ Falsch!

Die Hände können sich durchaus richtig verhalten, wenn man die Beine, das Becken oder die Schultern falsch bewegt. Man muss allerdings wissen, welches das richtige Verhalten der Hände ist. Aber das wissen die Profis nicht, und die Laien erst recht nicht. Man sollte als Experte aber wissen, dass die Hände für ihre Streckbewegung nur ein Drittel so lange brauchen, wie der Abschwung der Arme dauert. Wenn man also die Hände schon im ersten Drittel des Abschwungs streckt, dann wirft man den Schläger vom Ziel weg. Und wenn man sie im zweiten Drittel streckt, dann hackt man vor dem Ball in den Boden. In beiden Fällen verpufft die Kraft, die in der Streckbewegung entsteht, bevor der Ball erreicht wird. Man hat dann so geschlagen, als hätte man die Hände nie zurückgebeugt. Und so geht die Hälfte der eigentlich gegeben und generierten Schlagkraft für den Impakt verloren. Dieses Fehlverhalten zeigen nun durchweg alle Amateure mit Hcp über 18 und noch die Hälfte aller über 15. Einstellige Handicapper zeigen dieses Fehlverhalten dagegen ausnahmslos nicht. Trotzdem wird es im Unterricht nur ganz selten thematisiert. Und meist ohne Erfolg, weil dieses Falsche Schlagen sauschwierig abzuschalten ist. Es fehlt meistens die Einsicht in die absolute Notwendigkeit und folglich auch die Geduld, den erforderlichen Lernweg durchzustehen. Die Notwendigkeit ergibt sich aber nicht nur aus dem Verlust an Schlagkraft, sondern auch daraus, dass das Falsche Schlagen nun durch lauter falsche Bewegungen in Armen Schultern, Rumpf und Beinen ausgeglichen werden muss, um überhaupt noch den Ball treffen zu können. Und so lernt der Amateur alles falsch, nur weil seine Hände sich von Anfang an und für immer falsch verhalten.

Die Wahrheit ist also genau das Gegenteil des Mythos: Wenn die Hände sich richtig verhalten, dann entstehen die richtigen Bewegungen im Rest des Körpers zum größten Teil und in oßem Maße von alleine.

Mythos 10, Die Ansprechhaltung

„Für gute, vor allem lange Schläge ist eine korrekte Ansprechhaltung entscheidend und daher unerlässlich.“ Falsch!  
 
Erstens garantiert eine korrekte Ansprechhaltung gar nichts. Und zweites ist die im Mythos gemeinte Ansprechhaltung auch nicht geeignet, für die Schlagbewegung Vorgaben zu machen. Die Haltung, die der Körper nämlich beim Impakt, also im Moment des Treffens des Balles, einnimmt, ist eine ganz und gar andere, als die, die weithin als Ansprechhaltung gelehrt wird. Deshalb ist auch die Hoffnung unbegründet, es wäre hilfreich im Abschwung mit dem Schlägerkopf zum Ball und mit dem Körper zur Ansprechhaltung zurückfinden zu wollen.

Am schlimmsten ist dabei die Absicht, den Schlägerkopf mit den Händen, vornehmlich der rechten (unteren), zum Ball hin zu steuern oder zu transportieren. Dabei entsteht nämlich spätestens das Falsche Schlagen, weil die Hand gleich beim oder nach dem Umschwung auf den Schaft drückt, um den Schlägerkopf unter Kontrolle zu bringen, und so ihre Schlagkraft viel zu weit oben („zu früh“) auslöst.
Ideal ist für den Hobbygolfer, im Ansprechen die Impakthaltung nachzuahmen. Damit suggeriert er sich und seiner Motorik das Ziel der Schlagbewegung.


Mythos 11, Rumpf nicht nach rechts lehnen

„Für gute, vor allem lange Schläge ist es nicht nötig, den Rumpf vom Ziel weg zu lehnen.“ Falsch! 

Amateure lehnen ihren Rumpf nicht wie die Könner vom Ziel weg, weil sie bei einem nach rechts Kippen („Tilt“) wegen ihrer falsch agierenden (werfenden oder hackenden) rechten Hand dann vor dem Ball in den Boden schlagen würden. Also lassen sie den Rumpf aufrecht oder lehnen ihn gar zum Ziel hin, um den verfrühten Bodenkontakt zu vermeiden. Das ist aber nur eine Kompensation für den Fehler der rechten Hand und niemals eine taugliche Korrektur, wenn man einen ordentlichen Golfschlag entwickeln möchte. Diese Scheinlösung ist vielmehr eine Katastrophe, weil durch das zum Ziel Lehnen auch der Schaft beim Impakt zum Ziel gelehnt ist, wodurch der Loft-Winkel steiler wird und die langen Eisen und Hölzer für Amateure unspielbar werden.

Mythos 12, Freiheit für den Kopf

„Für gute, vor allem lange Schläge ist es keinesfalls sinnvoll oder gar hilfreich, den Kopf ruhig an seinem Platz zu halten.“ Falsch! 

Alle Profis halten den Kopf während des Schlagens, also bis zum Treffmoment so still sie nur können. Erst danach überlassen sie ihn der Wucht des Durchschwungs. Keinesfalls drehen sie beim Abschwung den Kopf, also nur das Gesicht, in Richtung Ziel, weil dies der rechten Schulter den Weg nach zu weit unten freigibt. Keinesfalls wandern sie mit dem Kopf mehr als ein paar Zentimeter hin und her. Und keinesfalls heben sie den Kopf während des Durchschwungs aus seiner Anfangslage nach oben, weil dies einem Aufrichten des Rumpfes entspricht, welches ein sauberes Treffen des Balles extrem schwierig gestaltet. Selbst die Spieler, die im Durchschwung die Knie strecken, machen als Ausgleich dafür den Rücken krumm, damit der Kopf und die Drehachse der Arme auf ihrer Höhe bleiben.

Auch wandert der Kopf des Könners keinesfalls durch den Schlag in Richtung Ziel, weil dadurch die Stabilität des (Ober-)Körpers verloren geht. Dieses Gegenlager ist aber nötig, damit Arme und Hände richtig durchschwingen können. 
Beim Driven bewegt sich der Kopf der meisten Könner daher während des Durchschwungs sogar deutlich vom Ziel weg. Um das festzustellen, muss man natürlich mal mit kritischem Geiste ein paar Videos studieren.

Mythos 13, Durch den Ball schwingen

„Für gute und vor allem lange Schläge darf man nicht nach dem Ball schlagen. Man muss durch den Ball hindurchschwingen.“ Falsch!


Wer glaubt, er müsse mit dem Schlägerkopf durch den Ball schwingen, der forciert den Durchschwung, d.h. er strengt sich mit den Händen während des ganzen Durchschwungs an. Auch nachdem er den Ball längst betroffen hat. Diese ungezielte, übermäßige Anstrengung kennzeichnet die Bemühungen fast aller Hobbygolfer und -golferinnen mit Hcp. über 18 und noch ca. 50% aller Bogey-Scratches.

Die Könner strengen sich nur während ca. 0,2 Sekunden wirklich an, nämlich im zweiten Teil des Abschwungs und ein wenig darüber hinaus. Und zwar mit Armen und Schultern, nicht mit den Händen. Die Anstrengung geht, betrachtet man den Weg des linken Armes, von 9 nach 5 Uhr, für die Hände nur bis 7 Uhr. Die Arme schwingen zwar nicht träge durch, werden also durchaus kraftvoll über den Ball hinweggeführt. Sie werden aber trotzdem langsamer, weil sie Energie an den Schläger abgeben. Und der Schlägerkopf schießt auf den Ball hinab, ohne dass der gute Spieler die Absicht hätte, dies zu forcieren. Erst recht nicht über den Treffmoment hinaus. Im Gegenteil: sofort nach dem Impakt bricht der gute Spieler alle Anstrengung ab und fängt die Wucht des Schlägers aktiv auf. Deshalb ist das Finish des Könners geschmeidig und elegant, während es nach dem „Schwingen durch den Ball“ bei den Werferinnen verkrampft wirkt und bei den Hackern gewalttätig.
Also: Die Arbeit des Golfschlages ist bei dessen korrekter Ausführung sofort nach dem Impakt erledigt. Ein kraftvoller Durchschwung ist nicht nur nutzlos sondern schädlich, sowohl für das erreichbare Schlägerkopftempo als auch für die Steuerung und letztlich für die Gesundheit.
Der Schlägerkopf hält seine Höchstgeschwindigkeit kaum eine Millisekunde lang. Sobald sie erreicht ist, nimmt sie so rapide ab, wie sie vorher angestiegen ist. Werferinnen und Hacker erreichen diesen Moment aber viel zu weit oben im Abschwung. Und dann versuchen sie mit Gewalt, das Tempo an den Ball zu bringen – unterstützt durch den Irrglauben, sie müssten „durch den Ball schwingen“

Schluss

Das wirklich Wesentliche am Golfschlag ist das Doppelpendel aus Armen und Schläger, unterstützt durch den Schultergürtel und den Rumpf. Die Beine haben nur stabilisierende Aufgaben, wenngleich ihre Kräfte mit der im Oberkörper generierten Schlagkraft natürlich mitwachsen müssen. Das Entscheidende am Doppelpendel ist das Timing von linkem Arm und rechter Hand. Wenn es klappt, kann der Rumpf in die richtige Neigung vom Ziel weg gebracht werden. Und mehr ist für einen zufriedenstellenden Golfschlag nicht erforderlich. Die 12 Mythen jedenfalls lenken vom Weg zu diesem einfachen Ziel auf fatale Weise ab.

Drei weitere Mythen begleiten den normalen Golfschüler auf seinem Irreweg durch das Chaos der falschen Vorstellungen von der korrekten Golfschlagtechnik.



Mythos 14, Das Visualisieren

„Für gute, vor allem lange Schläge ist es von großem Nutzen, sich vor der praktischen Ausführung den gewünschten Ballflug vor dem geistigen Auge auszumalen.“ Falsch!

Diese, unter dem Sammelbegriff „Mentale Arbeit“ verherrlichte Technik funktioniert nur bei Spielern, deren Talent sie in die Lage versetzt, einen Schlag ziemlich genau so auszuführen, dass der erwünschte Ballflug tatsächlich zustande kommt. Dieses Talent ist aber äußerst selten und wird in der Regel durch ein sehr niedriges Handicap belohnt, nicht selten sogar mit Meisterehren und Millionenschecks. Ein halbwegs normaler Mensch darf davon gerne träumen, aber dem Gelingen seiner Golfschläge wird dies niemals zuträglich sein. Dazu hat er viel zu große technische Probleme und diese werden durch Ballflugvisionen nur noch schlimmer. 



Mythos 15, Selbstvertrauen

Selbstvertrauen und Selbstsicherheit werden nur all zu oft mit Selbstbewusstsein verwechselt. Wer sich seiner selbst bewusst ist, der kennt seine Fähigkeiten und deren Grenzen ziemlich genau. Und deshalb wird sein Selbstvertrauen niemals darüber hinausschießen. Er weiß dass  eine sich künstlich selbst eingeredete Selbstsicherheit nichts an seinen Grenzen ändert. Der Glaube, seine Grenzen überschreiten zu können, ist absurd, weil Grenzen genau da liegen, wo man am Ende ist mit seinem Latein und seinem Talent und seinem Können. Wer sich selbst mehr Vertrauen schenkt als er verdient, der wird jämmerlich scheitern. Und das tun alle Menschen, Sportler und Golfer, die an den Mythos der Selbstüberschätzung glauben.

Mythos 16, Individualität

 „Es gibt beim Golfen kein Richtig und Falsch. Jeder muss seinen eigenen Schwung entwickeln.“ Falsch!

Es geht beim Golfunterricht um das Erlernen einer Technik, nicht um die Entfaltung eines persönlichen Stils. Die Behauptung, jeder Profi schwinge letztlich anders und deshalb gebe es den perfekten Schwung nicht, ist nur eine sowohl von Schülern als auch von Lehrern immer wieder gern aufgestellte Schutzbehauptung für den eklatanten Misserfolg beim Erlernen und Lehren eines tauglichen Bewegungsablaufs. Und dieser misst sich schließlich am Ballflug, nicht am Stil. Und wenn der Ballflug gleichbleibend schlecht ist, dann ist die Schlagbewegung in sich falsch.

Wahr ist, dass alle Könner im Prinzip genau dasselbe machen. Die  Bewegungsstruktur, das sogenannte Muster, ist bei allen Könnern genau gleich. Unterschiede bestehen lediglich in den Feinheiten, eben im Stil. Und den kann man weder lernen, noch lehren noch verlernen. In meinen und einigen anderen Büchern steht es beschrieben. Und wenn es nichts Verbindliches über den Golfschwung zu sagen gäbe, dann hätten hoch anerkannte Meister keinen Grund gesehen, Bücher darüber zu schreiben. Oder ist das alles nur Kommerz? Umso schlimmer.
 

Das Einzige was hilft ist, das Richtige zu lernen, das richtige Verstehen der Technik und das richtige Üben. Mit dem richtigen Wissen bringt es am meisten Spaß und natürlich am meisten Erfolg.

23.8.11

Verzögertes Strecken der Handgelenke

Thomas Zacharias

Hier ist ein Experiment zu sehen, welches zeigt, wie verzögertes Strecken der Handgelenke beim Golfschwung wirkt.
Das lose Ende einer Kette, die um ihr fest verankertes Ende pendelt (links), ist nach 90° Drehung mehr als doppelt so schnell wie das Ende eines Stabes mit ansonsten gleichen Eigenschaften (rechts).
Und das, obwohl bei der Kette die letzten Glieder auch in der Nähe der Senkrechten hinter der Gesamtbewegung zurückgeblieben sind.

Dieses Zurückbleiben wird beim Golfschlag durch das späte aber hoch schnelle Zusammenziehen des Golfermuskels überwunden, wodurch das Händegelenk ruckartig gestreckt wird. Die oberen Kugeln der Kette würden durch solche Kräfte langsamer werden und die unterste in gleichem Maße schneller.

Der hoch begabte Sportler macht es instinktiv richtig. Der weniger begabte, aber intelligente Laie wird sich bemühen, diesen Trick zu erlernen. Das ist Golf-Intelligenz. GO-IN!








                                  Unterschied beim Maximum 29 zu 56 ft/sec = 98% mehr Tempo!




3.8.11

Schieben und Drehen ist tabu

Thomas Zacharias


Für Anfänger ist es auch wichtig zu wissen, welche landläufigen Tipps falsch sind oder missverstanden werden können.

Die Grundkatastrophe ist natürlich das Falsche Schlagen, das Schwingen mit steifen oder zu früh gestreckten Handgelenken. Es ist die Hauptquelle vieler anderer Fehler.
Da der tiefste Punkt des Durchschwungs dabei rechts vor dem Ball liegt, der Schlägerkopf also vor dem Ballkontakt den Boden aufwühlt, sucht die menschliche Motorik Abhilfe darin, dass sie die Hauptdrehachse nach links verschiebt. Unterstützt wird sie dabei mental durch den Mythos Gewichtsverlagerung.

Viele Könner zeigen eine solche. Sie wird aber in der Fachwelt falsch beschrieben, und da sie nicht notwendig ist, um lange gerade Schläge zu machen, kaum einen Beitrag zur Schlagkraft liefert, ist sie für Anfänger Tabu. Trotzdem sei die richtige Gewichtsverlagerung hier kurz beschrieben, um zu zeigen, welch eine komplizierte Aufgabe diese überflüssige Technik darstellt.

Der Könner wandert mit seinem Gewicht beim Ausholen um wenige Zentimeter nach rechts. Beim oder sogar vor Beginn des Abschwungs wandert sein Massenzentrum wieder zur Mitte und bleibt dort während des ganzen Durchschwungs stehen. Erst lange nach dem Durchschwung lassen sich viele Könner von der Wucht des Schlägers mit ihrer Masse auf das linke Bein ziehen. Viele andere bleiben mit ihrer Masse aber auch bis ins Finish zentriert.
Entscheidend ist dabei nur eines, für Könner und Anfänger:
Dass der Massenmittelpunkt (KSP) und die Wirbelsäule, um die sich alles dreht, im Durchschwung stabil über der Mitte bleiben. Nur so ist garantiert, dass die linke Schulter im Treffmoment da ist wo sie hingehört: Immer genau über den tiefsten Punkt des Durchschwungs. Und der muss etwas rechts vom linken Fuß liegen.

Versucht nun der Hobbygolfer, falscher Anleitung folgend, seine Masse während der Schlagbewegung ungebremst von rechts nach links zu verschieben, so wird er mit Sicherheit die linke Schulter schon vor dem Treffmoment weit vor den tiefsten Punkt gebracht haben.
Und so sind seine Schläge „gequetscht“: Er lehnt sich mit dem Rumpf in Richtung Ziel und dazu womöglich auch noch in Richtung Boden. So zeigen linker Arm und Schlägerschaft im Treffmoment nicht genau nach vorn-unten sondern schräg nach rechts. Und so trifft der Schlägerkopf zwar schön von oben auf den Ball, verliert aber aufgrund der Neigung des Schaftes dermaßen an Loft, dass der Ball viel zu flach startet.
Zudem ist das Schlägerblatt noch nicht ganz square sondern noch etwas offen. Und so droht teuflisch grinsend schon der Slice.

Ferner gräbt sich der Schlägerkopf danach tief in den Boden. Und um das zu vermeiden oder zu lindern, zieht der Spieler die Schultern hoch und beugt die Ellbogen (Chickenwing), richtet sich auf oder steigt auf die Fußballen. Und so verliert seine Bewegung jede Möglichkeit, effektiv zu sein.
Die Balance halten fühlt sich an, als würde man beim Durchschwung rechts bleiben. Wenn man dabei nicht nach rechts umkippt, sondern auf beiden Füßen stehen bleibt ist genau dies perfekt. Dieses gefühlte Rechtsbleiben mit Schultern und Kopf gibt dem Becken erst die Freiheit, wie bei den Profis richtig zu shiften und zu twisten.

Der zweite katastrophale Mythos ist die Körperdrehung, getragen von Beinen und Rumpf. Hier vermuten die zurückgebliebenen Experten die motorische Initiative zur Kraftentfaltung. Es ist zwar richtig, dass hier große starke Muskeln aktiv sind, aber diese unterstützen motorisch gesehen nur die Aktivitäten von Schultern, Armen und Händen.
Wer sich darauf besinnt, diese drei Körpersegmente richtig zu bewegen, der wird dabei vom Rest des Körpers spontan massiv und kräftig unterstützt. Doch wer weisungsgemäß andersherum arbeitet, der vernachlässigt die alles entscheidenden Bewegungen zugunsten der sekundären Elemente (Beine und Rumpf) und wird zwangsläufig scheitern.

Bewegt man bewusst nur den linken Arm auf die richtige Weise, werden Schultern und Beine spontan richtig mitarbeiten, solange man sie still in Balance hält und nicht glaubt, sie müssten eigene, eigens gesteuerte Bewegungen ausführen.
Und wenn man dazu den Schläger mit den Händen richtig führt, ist der Erfolg wirklich nur noch eine Frage der Übung und der Präzision. Zu viele Anfänger schlagen aber technisch völlig falsch, und glauben dann, dass sie nur noch durch Übung die Präzision verbessern müssten, um bessere Golfer zu werden.

Der SuperGAU ist natürlich die Verbindung von Schieben und Drehen.
Hier verliert der Spieler endgültig die Kontrolle über die Schlägerbewegung, und vernünftige Golfschläge werden endgültig unmöglich. Der Körper dreht und wandert unter den eigentlichen Schlagwerkzeugen herum, nimmt sie dabei mit und vereitelt deren korrekten Einsatz ohne Hoffnung auf irgendeine Korrekturmöglichkeit.

Der Lernweg war von Anfang an in eine Sackgasse gestartet. Das Haus muss abgerissen und neu erbaut werden.